09.01.2014

Kategorie(n): Allgemein

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Die Bevölkerungszahl in Deutschland ist von 80,5 Millionen in 2012 auf geschätzte 80,8 Millionen in 2013 gewachsen. Bedeutet das eine Trendwende in der demographischen Entwicklung in Deutschland? Nein, auf gar keinen Fall. Nach einem Bericht der Welt ist das nur eine Momentaufnahme, die ihre Ursache in der aktuellen wirtschaftlichen Situation in Europa hat: viele gut ausgebildete Menschen aus Ländern wie Portugal, Spanien oder Italien kommen nach Deutschland, weil sie hier eine berufliche Perspektive haben, die sie in Ihrer Heimat im Moment nicht haben. Für Deutschland und seine Wirtschaft ist das im Moment eine positive Entwicklung, an den fundamentalen Daten und Entwicklungen ändert es aber nichts, und zwar aus folgenden Gründen:

  • Der Saldo aus Geburten vs. Sterbefälle ist weiterhin negativ: 2013 wurden knapp 700.000 Kinder geboren, es sind aber ca. 900.000 Menschen gestorben.
  • Ändert sich die wirtschaftliche Situation in Europa, könnten viele der aktuellen Zuwanderer auch wieder in Ihre Heimat zurückkehren.
  • Bleiben die Zuwanderer langfristig, ändert sich an der demographischen Entwicklung langfristig trotzdem wenig. Zum einen weil die Geburtenraten in den Ländern in Südeuropa mit denen in Deutschland vergleichbar sind, zum anderen da Zuwanderer aus Ländern mit einer höheren Geburtenrate, sich dem Verhalten in Deutschland anpassen und weniger Kinder bekommen.
  • Auch wenn es dann gegebenenfalls ein paar Menschen mehr in Deutschland gibt, ändert sich durch die Zuwanderung kaum etwas an der Altersstruktur.
  • Die in den letzten Jahrzehnten nicht geborenen Kinder, die jetzt Eltern werden könnten sind nicht da und können auch durch Zuwanderung nicht aufgefüllt werden, dieser Trend ist nur sehr, sehr langfristig umkehrbar.

Der renommierte Bevölkerungswissenschaftler Herwig Birg bezeichnet „die demographische Struktur“ als schweren Öltanker mit langem Bremsweg und nur schwer zu ändernder Fahrtrichtung. So ist es. Und deswegen ist es gut wenn man auch die kleinen positiven Effekte nicht übersieht, aber die Grundentwicklung lässt sich nicht schön reden: Deutschland altert dramatisch und in den nächsten zwanzig Jahren werden die Auswirkungen entsprechend umfangreich sein – Arbeitsmarkt, Sozialsystem, Lebensgewohnheiten. Leider ist der Prozess schleichend und deswegen nicht in dem Maße auf der politischen Agenda, vor allem nicht ressortübergreifend wie das notwendig wäre. Mal sehen, was die GroKo zu dem Thema zustande bringt.