16.01.2014

Kategorie(n): Allgemein

demographie-rentner-impertinentFrüher gab es das Kopfschütteln über die Jugendlichen, die sich nicht an Regeln hielten und irgendwie immer ihren Kopf durchsetzen wollten. Das gibt es natürlich heute auch noch, vielleicht sogar mehr denn je. Aber neu ist, dass es von der Sorte der widerspenstigen, impertinenten Regelbrecher nun auch ältere Exemplare gibt. Was vor einigen Jahren höchstens als schlechter Scherz durchgegangen wäre, ist heute Realität: Der Stern berichtet auf seinem Online-Portal von einer Rentner-Gang, die einen McDonalds in New York belagern und damit nicht nur die Store-Managerin verärgern, sondern sogar die Polizei auf den Plan rufen.

Die Herren, zwischen 70 und 80 Jahren alt, haben es sich zur Gewohnheit gemacht, morgens die McDonalds-Filiale zu betreten, eine Kleinigkeit – wie einen großen Kaffee oder eine Portion Pommes für alle – zu bestellen und mehr oder weniger den ganzen Tag zu bleiben. Das ärgert nicht nur die McDonalds-Filialleiterin, die zu Recht beklagt, dass damit die eh knappen Sitzplätze blockiert werden. Es bleibt nicht beim Lamentieren, zwischenzeitlich zieren Schilder die Filiale, dass die Gäste 20 Minuten Zeit haben, ihr Essen zu verzehren. Und auch die Polizei wurde bereits eingeschaltet.

Allerdings zeitigten alle Maßnahmen bis jetzt nur mäßigen Erfolg: Die impertinenten Alten fragen ganz unverfroren, ob es wohl möglich sei, einen großen Kaffee in 20 Minuten zu trinken? Und geben die Antwort gleich selbst: „Eher nicht“. Auch der Polizeieinsatz erzielt nicht die gewünschte Wirkung: Einmal von der Staatsmacht aus dem Fast-Food-Restaurant geleitet, wird eine Runde um den Block gedreht und dann kehren die Rentner unverblümt zu McDonalds zurück. Solch krasser ziviler Ungehorsam vor wenigen Jahren noch undenkbar. Und dieses veränderte Verhalten könnte auch auf die Tarifkalkulation von Versicherern Auswirkung haben.

Immer mehr Anbieter sind in den letzten Jahren dazu über gegangen, sogenannte Seniorentarife an den Start zu bringen, z.B. in der Privathaftpflicht oder in der der Rechtsschutzversicherung. In der Regel sind diese Tarife günstiger, weil die Anbieter davon ausgehen, dass die Senioren zurückhaltender sind, weniger risikoreich agieren und schon gar nicht streitlustig unterwegs sind. Das scheint sich zu wandeln – man denke nur an die Inbrust, mit der gerade ältere Mitbürger bei den Stuttgart21 Protesten demonstriert haben. Mit welcher nicht gekannten Leidenschaft diese Menschen bei ihren ersten Demonstrationserfahrungen bei der Sache waren. Aber auch mit welcher unerwarteten Aggressivität zum Teil vorgegangen wurde.

Vielleicht müssen wir das Bild, das wir von älteren Menschen haben, ab und an in Frage stellen und einem Wandel unterziehen. Je nachdem wie gravierend der Wandel ausfällt, wird er sogar auf die Tarifkalkulation der Seniorentarife Niederschlag finden.