03.12.2013

Kategorie(n): Allgemein

lebensversicherung[Gastbeitrag von Matthias Wühle | Policen Direkt]

Nachdem die EZB den Leitzins auf mittlerweile 0,25% abgesenkt hat und auch die Inflationsrate weiterhin rückläufig ist, ist es erstaunlich, dass eine Größe bislang unangetastet geblieben ist: Die Garantieverzinsung der Lebensversicherung beträgt nach wie vor für Neuabschlüsse 1,75%. Hinzu kommt ferner die Überschussbeteiligung. Die Gesamtverzinsung liegt nach Angaben des GDV immer noch bei rund 4%. Aus Sicht vieler Sparer ist die Lebensversicherung damit trotz aller Probleme immer noch ein wichtiger Baustein zur Altersvorsorge. Auch sollte man nicht vergessen, dass zur Sparfunktion noch der Versicherungsschutz hinzukommt, weshalb die Lebensversicherung nach deutschem Recht auch nicht als Anlageprodukt eingestuft wird.

Zweitmarkt: Wo das Vorsorge- in ein Anlageprodukt umgewandelt wird
Zu einem Anlageprodukt wird die Lebensversicherung erst nach Verkauf auf dem Zweitmarkt. Dort wird die Police optimiert (z.B. durch Umstellung auf jährliche Beitragszahlung und Kündigung der Zusatzversicherungen) und als reines Investmentprodukt zum Kauf angeboten. Der Vorteil dabei: Die durchschnittliche Vergangenheitsrendite von Versicherungspolicen liegt hier bei 4,9% und die Laufzeit bei etwa 2 Jahren – bei denselben gesetzlichen Sicherheiten, die eine Lebensversicherung auf dem Erstmarkt auch bietet.

Gastautor

Matthias Wühle
Matthias Wühle

Policen Direkt

GDV fordert Neuregelung der Beteiligung an den Bewertungsreserven
Im Verlauf der Koalitionsgespräche gelangt nun vor dem Hintergrund der Zinssenkungen das Thema der Neuregelung der Bewertungsreserven immer stärker in den Fokus. Die Stimmen zu einer Neuregelung der Beteiligung an den Bewertungsreserven werden wieder lauter: „Wir haben 2008 eine falsche und in sich unsinnige Regelung bekommen, nach der Kunden, die ihre Lebensversicherung kündigen oder deren Vertrag ausläuft, an den Bewertungsreserven beteiligt werden, die in dem Moment ihres Ausscheidens auf dem Papier stehen“, wurde der Präsident des Branchenverbandes GDV Alexander Erdland am 28.10.2013 im Tagesspiegel zitiert. Erdland fordert darin die Bundesregierung auf, wieder einen fairen Ausgleich zwischen den Versicherten zu ermöglichen. Andernfalls würden die zukünftigen Überschussbeteiligungen sinken.

CDU und SPD sind sich bereits einig
Manfred Zöllmer, stellvertretender finanzpolitischer Sprecher der SPD erklärte am 10.11.2013 gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung, dass die anhaltende Diskussion um eine Neuregelung der Bewertungsreserven relativ zügig zu einem Ergebnis kommen müsse. Auch der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion, Michael Meister sieht aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase akuten Handlungsbedarf. Einigkeit bestehe bei beiden Parteien mittlerweile darin, dass das Problem auf jeden Fall gelöst werden müsse. Der aktuelle Status Quo sei nicht länger tragbar. Zudem solle die Lösung dem Versichertenkollektiv insgesamt nutzen, betonte Zöllmer. Weder auf Partikularinteressen einzelner Versicherungsnehmer noch der Versicherungsgesellschaften könne Rücksicht genommen werden. Politik sei kein Wunschkonzert, so Zöllmer weiter. Einigkeit besteht ferner darin, dass auf keinen Fall erneut der Eindruck entstehen darf, bei der Neuregelung der Bewertungsreserven handele sich um eine Nacht- und Nebel-Aktion. In der Kommunikationsarbeit beider Fraktionen besteht dringender Optimierungsbedarf.

Auch die BaFin fordert eine Neuregelung
Felix Hufeld, Exekutivdirektor der BaFin betrachtet die Lebensversicherer auch nach der letzten Leitzinssenkung mittelfristig als sicher. Die Versicherer hätten noch ausreichend Möglichkeiten, darauf zu reagieren, z.B. indem sie bereits vorhandene Reserven in Deckungsrückstellungen umwandeln. Allein im laufenden Jahr würden die Versicherer 6 Mrd. EUR dafür aufwenden. Auch im Rahmen von Solvency II seien die Versicherer dazu gezwungen, zusätzlich zur Zinszusatzreserve die Eigenmittel zu erhöhen, berichtet die FAZ am 11.11.2013. Auch Hufeld sieht Probleme vor allem bei der aktuellen Regelung der Bewertungsreserven. Es könne nicht sein, dass diese im vollem Umfang an ausscheidende Versicherte ausgezahlt würden, während das verbleibende Versichertenkollektiv darunter leidet. Wörtlich sagte Hufeld gegenüber der FAZ: „Und solche Schwankungen auf eine Anlageform durchschlagen zu lassen, die von jahrzehntelanger Berechenbarkeit geprägt ist, ist einfach ein logischer Widerspruch.“

Welche Folgen hat eine Neuregelung für die Verbraucher?
Experten gehen davon aus, dass eine Neuregelung der Bewertungsreserven in erster Linie dem Versichertenkollektiv zugute kommt. Ausscheidende Versicherte erhielten dann zwar geringere Zahlungen, im Gegensatz dazu würden aber die jährlichen Überschussbeteiligungen an die Versicherten wieder ansteigen. Auch der Bundesverband Vermögensanlagen im Zweitmarkt für Lebensversicherungen (BVZL) e.V. der die Interessen der größten institutionellen Versicherungsnehmer vertritt, hat sich frühzeitig auf Seiten von GDV und Bundesregierung gestellt, die für eine Neuregelung eintreten. Policen Direkt, aktueller Marktführer im Zweitmarkt für Lebensversicherungen und Mitglied im BVZL hat seine Positionierung auf Seiten der Neuregelungs-Befürworter der Online-Zeitung „Das Investment“ gegenüber begründet, dass eine Neuregelung eine höhere Planungssicherheit beim Ankauf von Lebensversicherungen brächte und die Verkäufer von Policen somit höhere Kaufpreise erwarten könnten. Diese lägen dem Unternehmen zufolge aktuell bei etwa zwei bis fünf Prozent über dem vom Versicherer mitgeteilten Rückkaufswert.

Verbraucher sollten bereits beim Neuabschluss bedenken, dass sie sich zwar für einen langfristigen Vertrag entscheiden, allerdings ist die Police, wenn sie erst einmal einen Mindestrückkaufswert von 10.000 EUR erreicht hat, auf dem Zweitmarkt veräußerbar und muss nicht unter hohen Verlusten gekündigt werden, wovor Verbraucherschützer sowieso abraten.

Matthias Wühle leitet die Unternehmenskommunikation bei Policen Direkt Versicherungsvermittlung GmbH und veröffentlicht regelmäßig Fachbeiträge über den Erst- und Zweitmarkt im unternehmenseigenen Blog.

 

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