05.12.2013

Kategorie(n): Allgemein

axa-krankenversicherung-focusWer bei Google nach AXA Beitragsanpassungen 2014 sucht, der findet schnell einen Artikel von focus online mit der Überschrift „Axa schockt PK-Versicherte mit 50 Prozent-Erhöhung“. Da schaut man dann doch mal hin. Und weiter geht es mit dem Drohszenario: „Manche Kunden könnten dadurch gar in Existenznot geraten, warnt ein Experte. Aha, schlimm, schlimm die Versicherer. Die Krankenversicherer werden also genauso gebasht wie die Lebensversicherer. Nur eben ein bisschen anders. Es ist ja auch so einfach.

Aber schauen wir mal hin wie sauber die Recherche ausgefallen ist:

  • Es wird ein einziger Experte zitiert: Ozan  Sözeri, Gründer und Geschäftsführer bei Widge.de, einem Online-Beratungsportal für wechselwillige PKV-Kunden. Ist ein bisschen dünn für einen reißerischen Bericht, bei dem es angeblich um die Existenz von 780.000 Kunden geht.
  • Dafür wird der Herr Sözeri gleich sechs Mal genannt bzw. zitiert. Da kann man nur sagen: ausgewogen. Und das delikate an der Sache: der größte Profiteur dieses Artikels könnte widge.de sein. Denn die Firma bietet privat Krankenversicherten Beratung gegen Honorar, um einen günstigeren Tarif zu finden. Das qualifiziert im Kontext der Beitragserhöhungen für eine unabhängige Einschätzung.
  • Wenigstens kommt auch die AXA zu Wort und es wird ausgiebig aus der Stellungnahme, die mir auch vor liegt zitiert. Da lohnt es sich mal ein bisschen mehr zu lesen: „Der Eindruck, die AXA Krankenversicherung würde Beiträge auf breiter Basis um 50 Prozent erhöhen, ist falsch. Nur in einem einzigen Vollversicherungstarif – eben dem Tarif EL-Bonus – könne es zu Anpassungen in einer Höhe von 50 Prozent  kommen. „Das Beitragsniveau der betroffenen Versicherten liegt nach der Beitragsanpassung bei maximal 153 Euro“, teilt die Axa mit – zuzüglich gesetzlichem Zuschlag und Risikozuschlag. Es handle sich dabei ausnahmslos um Versicherte, „die durch vorherige Tarifwechsel aus leistungsstärkeren Tarifen in den Tarif EL-Bonus gewechselt sind und die durch die Anrechnung der der im vorherigen Tarif aufgebauten höheren Alterungsrückstellung einen sehr niedrigen Beitrag vor der Breitagsanpassung hatten“. Das hört sich schon wieder ganz anders an. Und 153 Euro im Monat für eine Krankenversicherung ist weder viel, noch ist es existenzgefährdend.

Fassen wir mal zusammen
Der Artikel beginnt boulevardesk mit Horrorszenarien über die Preispolitik der AXA und die Auswirkungen auf die Versicherten. Im Lauf des Artikels schrumpft dieses Szenario auf seine tatsächliche Größe, dass es nur einen Tarif und somit nur wenige Versicherte betrifft. Leider kommt das nicht ausgewogen rüber, da die Schlagzeilen am Beginn Schlagseite haben, da Fakten aus dem Zusammenhang gerissen werden. Die Auswahl der zitierten Experten ist zumindest mal eingeschränkt, um nicht zu sagen fragwürdig. Denn Experte Sözeri hat damit einen klasse PR-Coup gelandet: sich auf einer frequentierten Plattform wie focus-online als Experte positioniert und im Idealfall noch wirtschaftlich davon profitiert indem er neue Kunden gewonnen hat. Danke focus-online, so stellen wir uns unabhängigen Journalismus vor. Schade.

 

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