20.12.2013

Kategorie(n): Allgemein

lebensversicherung-eugh-urteilGestern gab es ein Urteil des Europäischen Gerichtshof (EUGH), das laut F.A.Z. „Hoffnung weckt“. Das finde ich ja auf den ersten Blick mal gut, denn Hoffnung ist eine gute Sache. Also für wen gibt es Hoffnung? Für denjenigen, der „seine Lebensversicherung nicht mag“. Was ist denn das für eine kuschelige, gefühlvolle Finanzberichterstattung? Hat Bruce Darnell den Bericht geschrieben? Ich hör´s schon richtig in meinen Ohren klingen: „Nein, Baby, wenn Du Dein Lebenversicherungsdings nicht mehr magst, dann kündigst Du einfach. So geht das. Ja, ja! Applaus!“

Aber mal der Reihe nach, was ist eigentlich passiert, ich zitiere eine gute Zusammenfassung aus dem Versicherungsjournal: „Der Kläger hatte bei der Allianz zum 1. Dezember 1998 eine private Rentenversicherung abgeschlossen. Im Zuge der Vertragsabwicklung wurde er nachweislich nicht hinreichend über seine ihm nach § 5a VVG (alte Fassung) zustehenden Rechte belehrt. Knapp neun Jahre später kündigte der Kläger den Vertrag. Ihm wurde daraufhin der Rückkaufswert des Vertrages ausgezahlt. Als er wenige Monate später erfuhr, dass er den Vertrag wegen der unzureichenden Aufklärung über seine Rechte möglicherweise rückabwickeln könne, übte er sein Widerspruchsrecht aus. Er forderte den Versicherer dazu auf, ihm sämtliche gezahlten Prämien nebst Zinsen unter Abzug des bereits gezahlten Rückkaufswerts zurückzuzahlen. Das lehnte die Allianz ab.“

Nachdem der Kläger schließlich beim Bundesgerichtshof in Revision ging, hat dieser den Fall an den EUGH verwiesen, um zu prüfen, ob das alles mit Europäischem Recht konform geht. Das ist laut dem gestrigen Urteil nicht der Fall und der Fall geht zurück an den Bundesgerichtshof. Es ist also noch kein endgültiges Urteil gefällt.
Und nochmal die F.A.Z.: „Die Richtlinie der EU, der das deutsche Gesetz zuwiderlaufe, sollte dem Versicherten ausdrücklich „ermöglichen, von einem Lebensversicherungsvertrag zurückzutreten, wenn er (…) der Ansicht ist, dass der Vertrag seinen Bedürfnissen nicht am besten entspricht“.

Nun geistern wieder schöne große Zahlen durch die Presse: Über 100 Millionen Verträge, 400 Milliarden eingezahlte Beiträge… Damit kann man Schlagzeilen machen, besonders in einem Umfeld, in dem die Versicherungsbranche und insbesondere die Lebensversicherung eh in der Defensive ist.

Wenn wir ausnahmsweise mal nicht davon ausgehen, dass halsabschneiderische Versicherungsfuzzis, die nur Kunden über den Tisch ziehen wollen, auf unmündige, uninformierte Kunden treffen, die nicht wissen was sie tun, was passiert dann? Dann könnte sein, dass mündige, informierte Kunden, die mit Hilfe eines unabhängigen Versicherungsmaklers eine sinnvolle Vorsorgeentscheidung treffen und sich in diesem Zuge für eine Lebens- oder Rentenversicherung als Produkt entscheiden. Zum Beispiel, weil sie die Steuervorteile, die Sicherheit in der Anlage, den Todesfallschutz oder die garantierte, lebenslange Rentenleistung als wichtige, für sie vorteilhafte Kriterien identifiziert haben. Dann stelle ich mal die Frage, wie viel von denen, die eine solche Entscheidung getroffen haben, nach zehn oder 15 Jahren plötzlich von der Hoffnung profitieren, dass sie jetzt ihren Vertrag rückabwickeln können.

So richtig viele werden es wahrscheinlich nicht sein. Deshalb bin ich schon fast geneigt, über die Schlagzeilen-haschende seriöse Finanzpresse zu schmunzeln. Aber Lebensversicherungs-Bashing geht halt im Moment gut. Deshalb gefriert mir das Lächeln manchmal. Ich bin gespannt auf die Stellungnahmen der Versicherer, ein paar habe ich schon angerufen und werde Sie über die Feedbacks informieren.

Bis dahin ein schönes Wochenende. Und wenn Sie noch eine Frage zu Ihrem Risiko- und Vorsorgemanagement haben, die Sie unbedingt vor Weihnachten loswerden wollen. Meine Kollegen sind auch morgen und übermorgen – Samstag/Sonntag – unter 069 – 71 70 7 – 540 von 10 – 16 Uhr zu erreichen.