06.12.2013

Kategorie(n): Allgemein

krankenversicherung-fakten-kosten»Alle Jahre wieder… Nein, es ist noch nicht Weihnachten und es geht auch nicht um den Nikolaus (da darf ich auf den heutigen Adventskalenderbeitrag verweisen), es geht um das jährlich wiederkehrende Ritual des Krankenversicherungsbashings, wenn die privaten Krankenversicherer Ende November / Anfang Dezember ihre Beintragsanpassungen (BAP) bekannt geben. Zwar erhöhen nicht alle Versicherer jedes Jahr den Beitrag, aber ein paar sind es jedes Jahr, so dass das immer gleiche Ritual jedes Jahr stattfindet und pünktlich als gefundenes Fressen für die Medien zur Verfügung steht. Irgendwie krass.

Da aber weder Jammern noch Empörung eine Lösung sind, versuchen wir es mit ein paar Fakten? Und damit keine Missverständnisse aufkommen: Es gibt Fälle in der privaten Krankenversicherung, wo die Beiträge im Alter so stark gestiegen sind, dass es für den einzelnen Versicherten existenzbedrohend wird. Und es ist auch unbestritten so, dass Krankenversicherung eine soziale Komponente haben. Aber die Erwartung zu schüren, dass es zu keinen Beitragserhöhungen kommt ist, unredlich. Und wie unredlich manche Berichterstattung ist, habe ich gestern in meinen Beitrag zu Focus online und AXA gezeigt.

Warum ist es also logisch und genau genommen normal, dass es zu Beitragserhöhungen kommt:

  1. Allgemeine Kostensteigerungen, auch Inflation genannt. Das ist nicht immer konstant und variiert von Jahr zu Jahr und von Branche zu Branche. aber es gab sie immer, die allgemeine Preissteigerung und wird sie auch immer geben. Auch im Gesundheitssektor.
  2. Der medizinische Fortschritt, den wir alle gutheißen und wollen, der die medizinische Behandlung aber deutlich teurer macht. Vor nicht allzu langer Zeit war es normal, ein Röntgenbild zu machen, nur in Ausnahmefällen ging es in die Röhre. Heute ist es beinahe Standard, ein MRT zu machen. Wenige Patienten sind böse drum, aber es kostet deutlich mehr.
  3. Die demographische Entwicklung: Ca. ein Drittel der Gesundheitskosten ensteht in den letzten Lebensjahren. Durch die steigende Lebenserwartung benötigen immer mehr Menschen immer länger immer teurere medizinische Behandlungen? Das kostet immer mehr.

Nachdem nun klar sein sollte, dass Kostensteigerungen und damit höhere Beiträge in gewisser Weise normal sind, stellt sich die Frage, was wir tun können? Hier sind die Möglichkeiten:

  1. Mehr bezahlen? Das bedarf keiner weiterer Erläuterungen
  2. Rationierung: erwünschte Behandlungen gibt es nicht mehr für alle? Das klassische Beispiel: Ein neues Hüftgelenk ist ab einem bestimmten Alter nicht mehr drin
  3. Priorisieren: Die härtesten Fälle zuerst, der Rest auf die Warteliste. das führt zu Wartezeiten, deckelt aber die Kosten auf einem bestimmten Level.
  4. Rationalisieren: bedeutet, dass das Gesundheitssystem die gleiche Leistung für weniger Geld erbringen muss! Die Fallpauschalen funktionieren so. Für eine bestimmte Behandlung gibt es eine bestimmte Vergütung, egal wie lange z.B. ein Patient im Krankenhaus bleiben muss.

Ich weiß, dass diese Fakten nicht angenehm sind, aber sie werden weder durch Verdrängen noch durch Ignorieren noch durch Polemisieren besser. Wir müssen uns diesen Entwicklungen stellen und ehrlich darüber diskutieren. Und zu dieser Ehrlichkeit gehören folgende Fakten:

  • auch in der gesetzlichen Krankenversicherung sind die Kosten in den letzten Jahren erheblich gestiegen! Das passiert immer ein bisschen versteckt: Der Beitragssatz wird erhöht und die Beitragsbemessungsgrenze (BBG), also der Wert, auf den der Beitragssatz angewandt wird. Auch jede Gehaltserhöhung unterhalb der BBG führt zu einem individuellen Mehrbeitrag. ich bin jetzt seit 22 Jahren gesetzlich versichert, aktuell liegt der Beitragssatz bei 15,5%, angefangen habe ich mit ca. 9% bei der Allianz BKK.
  • Hinzu kommt, dass in der gesetzlichen Krankenversicherung die Leistungen regelmäßig gesenkt wurden! Details erspare ich mir. Die Leistungen sind auch nirgends festgeschrieben, sondern werden in irgendwelchen Gremien ausgekegelt. Die privat Versicherten haben ihre Leistungen in den Versicherungsbedingungen festgeschrieben.
  • zwar verfügen die gesetzlichen Kassen gerade über 20-30 Mrd. Euro Überschuss, die wir der guten Konjunktur mit wenigen Arbeitslosen zu verdanken haben. Aber systemische Kapitalrücklagen gibt es nicht. Da sieht es in der PKV schon anders aus, hier sind 150 bis 180 Milliarden Rücklagen vorhanden. Mehr sag ich nicht.

So, dass waren jetzt viele Fakten vor dem Wochenende, aber das war mal wieder dringend nötig. Ich wünsche Ihnen trotzdem ein schönes, nicht allzu stürmisches Wochenende und einen besinnlichen 2. Advent.

 

1 Kommentar

Ich habe auch schon auf [Link von der Redaktion entfernt] gelesen, dass es in der PKV normal ist, dass sich die Beiträge erhöhen. Neu ist allerdings, dass jetzt auch die GKV 40€ mehr vom Versicherungsnehmer haben möchte und das macht sie diesmal nicht „versteckt“ sonder gerade raus =).