06.11.2013

Kategorie(n): Allgemein, Buchvorstellung

Der Buchtitel ist gewagt: „Dann mach doch die Bluse zu“, im “Aufschrei-Zeitalter“ allemal. Zum Glück kommt er von einer Frau, denn die darf so was noch schreiben, bei einem Mann wäre es schon sexistisch. Der Untertitel relativiert nicht unbedingt, er ist aber zumindest ein bisschen sachlicher: „Ein Aufschrei gegen den Gleichheitswahn.“ Wer ist Birgit Kelle? Sie selbst sagt, sie sei eine von Millionen Frauen in Deutschland, Mutter von vier Kindern, einige Jahre „nur“ Hausfrau und Mutter, inzwischen schreibt sie wieder für renommierte Medien wie Focus, Welt oder The European. Ihr Problem: Sie ist glücklich und zufrieden mit Ihrem Leben, fühlt sich weder ausgebeutet noch möchte sie befreit werden. Sie formuliert Ihren Anspruch wie folgt: „Kuchenbacken und Geschichtenvorlesen hindert mich nicht daran, Geld zu verdienen und meine Autoreifen zu wechseln. Ich kann beides, denn ich bin eine Frau. Was von alledem ich jedoch lieber mache – mit Verlaub, das entscheide ich selbst.

Was hat das mit unseren Themen Versicherungen und Vorsorge zu tun? Schon mehr als nur ein bisschen was, denn Birgit Kelle diskutiert Fragen, die elementar mit der Frage, wer ist ein Mann und wer ist eine Frau und mit der demographischen Entwicklung zu tun haben. Seit 21. Dezember 2012 haben wir in der Versicherungsbranche die sogenannten UNISEX-Tarife, d.h. es darf in der Tarifkalkulation kein Unterschied gemacht werden zwischen Mann und Frau. Das ist eine politische Entscheidung, die nichts mit der biologischen Realität – z.B. dass Frauen älter werden als Männer – zu tun hat. Aufgrund dieser Realität, haben Männer bis letztes Jahr mehr für Ihre Risikolebensversicherung bezahlt und zahlen jetzt weniger. Ist das gerecht? Es ist gleich! Aber ob das dasselbe ist, darf jeder selbst entscheiden. Übrigens ist es in der Versicherungsbranche so, dass bei der Beurteilungen von Vorerkrankungen z.B. in der Berufsunfähigkeits- oder Krankenversicherung sehr wohl noch zwischen Mann und Frau unterschieden wird. Denn dieselbe Diagnose kann bei einem Mann zu einem anderen Risikozuschlag führen als bei einer Frau.

Wie lesenswert, pointiert und unterhaltsam das Buch für alle ist, die sich ein bisschen mit Männern und Frauen – schließlich sind wir ja alle irgendwie Mann oder Frau, zumindest ein bisschen – und den dazugehörigen gesellschaftlichen Entwicklungen beschäftigen, soll folgender kleiner Auszug zeigen: „Vor der Geburt meiner Kinder hatte ich mich noch nie mit Fragen des Feminismus oder gar mit Frauenrollen auseinandergesetzt, gehörte ich doch zu der glücklichen Generation junger Frauen, die sehr selbstverständlich mit dem Gedanken groß wurde, dass wir alles können, was wir wollen. Bad girls go everywhere! Was ich nicht wusste: Muttersein stand nicht auf dieser Liste. Erst von anderen Frauen habe ich erfahren müssen, dass ich mit meinem Lebensentwurf eine gescheiterte Existenz darstelle.

Aus feministischer Sicht bin ich eine wirklich traurige Gestalt, die über ihren Kindern gluckt, ihnen selbst gekochtes Essen aufzwingt, und das auch noch zu Hause!“

 

Ein Gedanke zu „Buchvorstellung: Birgit Kelle – Dann mach doch die Bluse zu“

  1. Dagmar Hampel sagt:

    Liebe Frau Kelle,
    Ihr Buch ist das Beste was ich seit langem gelesen habe. Empfehle es weiter wo immer ich es nur kann. Habe es erst dieser Tage in einem in der „Presse“ veröffentlichten Leserbrief allen Frauen dringend ans Herz gelegt.. Es war höchst an der Zeit, dass gegen den von oben aufoktroyierten Genderwahn angekämpft wird und Frau sich gegen das Auseinanderdividieren der Geschlechter zur Wehr setzt.
    Ich hoffe auf den Schneeballeffekt.
    Mfg. Dagmar Hampel Wien

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