11.10.2013

Kategorie(n): Allgemein

Frankfurter Buchmesse

Ich  bin hier (gemeint ist auf der Frankfurter Buchmesse) kann ich zwar nicht wirklich taggen, da ich nicht da bin. Aber im Herzen bin ich schon da, denn: Lesen ist eines der größten Privilegien, die wir haben. Insofern bin ich – wie wahrscheinlich die meisten meiner Leser – äußerst privilegiert. Wir können lesen, was wir wollen. Und ich darf sogar noch darüber schreiben.

Ich wünsche ein schönes Wochenende, das durchwachsene Wetter mit dem ersten Schnee auf dem Brocken und im Schwarzwald schreit ja geradezu nach Lektüre. Hier ist sie:

buch-david-goliathMalcom Gladwell: David und Goliath. Wir alle kennen diese alte biblische Geschichte, vom Hirtenjungen der den kampferprobten Hünen mit seiner Schleuder niederstreckt. Erfolgsautor Gladwell – von ihm sind auch Bücher wie Tipping Point, Überflieger oder Blink! – wartet wie immer mit spannenden Geschichten auf, die den gängigen Mainstreammeinungen zuwider laufen:

  • Die Lehrerin, die gar keine kleinen Klassen will, weil das negative Effekte auf die Gruppendynamik hat und vor allem für schwächere Schüler, die sich dann mit ihrer Schwäche allein fühlen, schlechter ist. Er belegt diese steile These damit, dass es bei wissenschaftlichen Untersuchungen keinen wirklichen Nachweis gibt, das kleinere Klassen wirklich zu besseren Schülerleistungen führen.
  • Ist Legasthenie vielleicht ein heimlicher Vorteil? Wenn man der Statistik glaubt, dass 30 – 50 Prozent erfolgreichen Unternehmer diese Schwäche haben, könnte man daran glauben.
  • Oder Jay Freireich, einer der Pioniere im Kampf gegen Kinderleukämie. Er hatte selbst eine solch schreckliche Kindheit, dass es ein Wunder ist, dass er selbst überlebte bzw. diese Erfahrung verkraftete. Er war so hart und unbarmherzig, dass er sterbenden Kindern einen Medikamentenmix – dem Ursprung der Chemotherapie – verabreichen konnte und ihnen in der Nachuntersuchung aus dem Schienbein – ohne Narkose – mit der Spritze Knochenmark entnahm. Er sagt von sich selbst, dass er nie mit den Eltern am Bett saß und weinte. Konnte er diese Leistung nur vollbringen, weil er solch eine unvorstellbar schlimme Kindheit hatte?

buch-gerechtigkeitMichael J. Sandel: Gerechtigkeit. Dieser Harvard-Professor ist im Moment einer der hipsten Philosophen der westlichen Welt. Und sein Buch ist absolut lesenswert, da es in einer leicht verständlichen Sprache grundlegende philosophische Strömungen vom Utilitarismus über Kants kategorischen Imperativ hin zu Aristoteles einen guten Überblick gibt. Und damit die wirklich gemeinen Fragen nach dem richtigen Handeln stellt. Ein Beispiel gefällig? Vier Schiffbrüchige sind in einem Rettungsboot, der jüngste hat Salzwasser getrunken und wird sterben, es nur eine Frage von Tagen. Die Vorräte sind zu Ende. Die drei noch Gesunden beschließen den totgeweihten Kranken zu töten und sein Fleisch zu verspeisen. Zwei Tage später werden sie von einem Schiff aufgegriffen. Sollen sie nach Ihrer Rettung wegen Mordes und Kannibalismus angeklagt werden? Eine herausfordernde Lektüre.

buch-on-gods-sideJim Wallis: On God´s Side. Ein Ausflug in die englische Lektüre und in Welt der amerikanischen Religion und Politik. Wallis erhellt das für uns Europäer oft undurchsichtige Geflecht aus Demokraten und Republikanern,  religiöser Rechter und liberaler Linker. Der Autor versucht dabei eine Schneise für den gesunden Menschenverstand und das „common good“ zu schlagen  – das Gute, das allen nützt und auf das man sich mit gutem Willen unabhängig von politischer Position und religiöser Weltsicht einigen könnte.
Der Titel leitet sich von einem Lincoln-Zitat ab: „My concern is not whether God is on our side; my greatest concern is to be on God´s side.” Es stammt aus seiner Rede nach dem amerikanischen Bürgerkrieg in dem beide Seiten für sich beanspruchten, dass Gott auf ihrer Seite ist und trotzdem nur eine Seite gewann und die andere verlor. Spannend mit historischen – was stimmt an einer Kirche nicht, die jahrzehntelang nicht auf der Seite der schwarzen Bürgerrechtsbewegung war – und aktuellen politischen Bezügen – welche Position vertreten die verschiedenen amerikanischen Kirchen zu den illegalen Einwanderern. Ein Blick über den großen Teil mit erstaunlichen Einblicken und Erkenntnissen.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.