21.10.2013

Kategorie(n): Allgemein

die-macht-der-ehrlichen-buchvorstellungEr ist bekannt dafür, Klartext zu reden, unbequeme Wahrheiten auszusprechen und dabei gerne auch zu provozieren: Bernhard Bueb, ehemaliger Leiter des Internats Salem, hat es wieder getan. In seinem neuen Buch. Und damit alle wissen worum es geht, hat er den Titel gleich mit einem Zusatz versehen: „Eine Provokation“. Soweit würde ich gar nicht gehen, er ist ehrlich und klar wie immer. Und sicherlich ist er nicht bereit, in den allgemeinen Jammer-Mainstream einzustimmen. Das ist gut, aber auch nicht zu provokant. Es geht um Erziehung, Moral, Zeitgeist und auch um Versicherungen. Aber der Reihe nach.

Bueb betont, wie wichtig es ist, dass die Kinder ein Urvertrauen entwickeln, um Ehrlichkeit erleben zu können. Er beklagt, dass Erziehung in Deutschland viel zu viel mit belehren anstatt mit selbst entdecken und selbst erfahren gleichgesetzt wird und dass der Mainstream in Business und Politik vermittelt, dass „der Ehrliche der Dumme sein“ statt „ehrlich währt am längsten“.

Und gegen Ende des Buches teilt Bueb auch pauschal gegen Versicherungen aus: „Nicht nur im Bankensektor wird gelogen, auch Versicherungskunden werden mit Versprechungen gelockt, die im Ernstfall nicht eingelöst werden. Stattdessen wird mit allen Schikanen verhindert, dass die Versicherung zahlen muss.“ Das ist deutlich und auch provokant. Ob es journalistisch seriös ist, wage ich mal zu bezweifeln, es riecht ein bisschen danach, dass es sich Herr Bueb hier ziemlich leicht macht und in das allgemeine Versicherungs-Bashing einstimmt. Das wäre ungefähr so, wenn ich sagen würde „an allen Internaten gibt es Missbrauch“ – aufgrund der Ereignisse an der Odenwaldschule. Denn Bueb führt „als Beweis“ oder besser als Versuch einer Begründung „das gute Gewissen von Beatrix Hüller, einer Juristin, die jahrelang als Schadensreglerin (Anm. von mir: sehr interessanter Begriff) bei einer Versicherung arbeitete“ an. Dieses gute Gewissen war „so sehr geplagt, dass sie die Seiten wechselte und ihr Wissen heute nutzt, um diese Lügen vor Gericht aufzudecken.“

Niemand, schon gar nicht ich, bestreitet, dass es bei der Schadensregulierung zu unsauberer und schlechter Arbeit von Seiten des Versicherers kommen kann. Aber die verallgemeinernden schwarz-weiß-Darstellungen treffen es eben auch nicht. Schade auch, dass die Lösung für Leute mit „gutem Gewissen“ immer nur ist, die Branche zu verlassen oder die Seiten zu wechseln und als „Gute“ gegen die „bösen Versicherer“ zu kämpfen. Ich würde mir wünschen, dass solche Leute bleiben und daran arbeiten und dafür kämpfen, dass – in diesem Fall – fair und kundenorientiert reguliert wird. Schade!

Als Fazit bleiben für mich zwei Dinge: Das Buch ist lesenswert und Mut machend, auch wenn wir den Ehrenkodex „immer ehrlich zu“ wie er in Salem in den Gründungsjahren galt und der so gut funktioniert, das bei Klassenarbeiten keine Aufsicht notwendig war und trotzdem keiner abgeschrieben hat, wohl nicht mehr erreicht wird. Denn das was Vaclav Havel „Kleinarbeit“ nennt, bedeutet, dass „Jeder soll konsequent auf seinem Gebiet gute Arbeit leisten und die Lüge als Lüge erscheinen lassen, dann können wir in einer menschenwürdigen Gesellschaft leben.
Darüber hinaus braucht es – auch und gerade in der Versicherungsbranche – Menschen, die klar, offen und transparent arbeiten und kommunizieren – ohne Klauseln, ohne political correctness, ohne jedes Mal die Frage zu stellen: Was bringt mir das jetzt? Das versuche ich auf diesem Blog und wir in unserer Arbeit bei Hoesch & Partner. Ein sehr hoher Anspruch, dem wir auch nicht immer gerecht werden. Wer sich hohe Ziele setzt, fällt auch mal auf die Schnauze, aber nur so lässt sich was bewegen. Deswegen ist in meinem iPad, mit dem ich viele der Blogs schreibe „Better sorry than safe“ eingraviert.

 

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