22.10.2013

Kategorie(n): Allgemein

ard-ratgeber
Zugegeben das Ganze ist schon ein paar Wochen her, aber es wird auch mit ein paarmal schlafen nicht besser. Es geht um eine ARD-Ratgeber-Sendung vom 28.09.2013. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtshaft (GDV) hat dazu am 04.10.2013 eine Stellungnahme abgegeben. Die beginnt mit: „Der GDV stellt klar…“

Was war passiert? Bianca Boss vom Bund der Versicherten wird in dem Beitrag mit folgendem Statement zitiert: Wenn man 100 Euro monatlich in eine Kapitallebensversicherung einzahlt, bleiben nach Abzug von Abschlusskosten, Verwaltungskosten und dem Risikoanteil nur 45 Euro als Sparanteil übrig.“ Aus dem Off ergänzt dann ein Sprecher: „Mehr als die Hälfte also geht nach ihrer Rechnung für Nebenkosten und die Risikoabsicherung des Versicherten drauf.“

Nun wissen wir, dass es mit den Pisawerten bei Erwachsenen nicht so gut bestellt ist in Deutschland. Und Frau Boss ist die Pressesprecherin, vielleicht kann man ihr persönlich gar keinen Vorwurf machen, weil sie sich auf die Recherche ihrer Fachkollegen verlassen hat. Sei´s drum, die Wahrheit sieht so aus: „Bei einem Kapitallebensversicherungsvertrag mit einem Monatsbeitrag von 100 Euro beträgt der Sparanteil über eine angenommene Laufzeit von 30 Jahren durchschnittlich 86,5 Prozent und nicht, wie vom BdV behauptet, lediglich 45 Prozent.“

Und es geht so weiter: Vermögensverwalter Tom Friess rechnet, dass 100 Euro Beitrag im Monat nach 35 Jahren eine Summe von 42.000 Euro gibt. Soweit richtig. Aus dem Off kommt dann wieder der Sprecher mit einer skurrilen Schlussfolgerung : „Die Rendite entspricht dem Garantiezins minus aller Kosten. Und da bleiben von ursprünglich 1,75 Prozent nach seiner Rechnung gerade mal 0,25 Prozent übrig.“ Warum auch immer. Der GDV stellt dazu klar: Die Rendite – bezogen auf das garantierte Kapital – beträgt beim durchschnittlichen Rechenbeispiel über die gesamte Laufzeit 0,9 Prozent. Sie liegt damit mehr als dreimal so hoch wie behauptet.“ Eigentlich dachte ich immer bei Mathe gibt es eindeutige Ergebnisse – scheinbar nicht. Und was noch interessanter ist: Wenn man eine Lebensversicherung mit 30 Jahren Laufzeit, die im Jahr 2012 abgelaufen ist, nimmt, und auch die Überschussbeteiligung nicht vergisst, betrug die Beitragsrendite laut map-report bei 5,01 Prozent.

Dazu fallen mir drei Dinge ein:

  1. Warum fragen solche Sendungen kaum oder nie bei Versicherungsmaklern oder Versicherungsgesellschaften an? Sondern nur bei Leuten, die schon mal von Berufswegen anti sind (Verbraucherschützer) oder andere Produkte verkaufen wollen (Vermögensberater)
  2. Welche Qualifikationen müssen Verbraucherschützer nachweisen? Welche laufende Weiterbildung? Soweit ich weiß keine. Das ist interessant, denn für die Versicherungsbranche werden reichlich Forderungen genau dazu aufgestellt. Ich sage nicht, dass die Mitarbeiter dort die Voraussetzungen nicht erfüllen würden. Aber dennoch: Vielleicht sollten wir den Spieß mal umdrehen und für die Verbraucherschützer die gleichen Maßstäbe anlegen. Je mehr ich darüber nachdenke, desto besser gefällt mir die Idee – und ich finde auch keine Argumente, die dagegen sprechen.
  3. Wofür bezahle ich eigentlich GEZ-Gebühren. Bei der breiten Wirkung – manchmal schauen ja Millionen Leute solche Sendungen – dürfte man bessere Arbeit erwarten. Zumal es ja nicht die bösen Privatsender sind, sondern die guten Öffentlich-Rechtlichen.

Noch ein Hinweis in eigener Sache: Mittwoch und Donnerstag bin ich auf der DKM, dem Branchentreff in Dortmund. Mal sehen, was es da neues gibt und wen ich treffe. Ich werde berichten.

 

2 Kommentare

eine bekannte hat eine Lebensversicherung ihres verstorbenen Mannes gefunden. 20 000 DM
ueber 30 jahre(1974-2004). 1995 ist ihr mann verstorben,habe die versicherung angeschrieben und
gefragt was mit dieser Versicherung passiert ist.die antwort war das sie diese police nicht finden koennen,wie lange muessen Versicherungen die Police aufbewahren, um rauzufinden was mit dieser passiert ist???


Guten Tag Herr Uhl,

vielen Dank für Ihren Kommentar und die damit verbundene Frage. Bitte lassen Sie mir Ihre Kontaktdaten zukommen, am einfachsten über das Kontaktformular,
dann sollten wir kurz telefonieren, um gemeinsam zu entscheiden, was wir für Sie tun können. Gerne können Sie mich auch direkt anrufen 069 – 71 70 71 58.

Gruß
Oliver Mack