27.09.2013

Kategorie(n): Allgemein

kfz-versicherung

Ich bin dagesessen und habe geschaut wie ein Auto: Ungläubiger Blick und eine heruntergefallene Kinnlade. Was war passiert? Eigentlich nichts ungewöhnliches, im Gegenteil, eher Routine. Ein Termin mit einem Mitarbeiter einer Versicherungsgesellschaft, in dem Falle der Alten Leipziger, der einem Kollegen und mir den neuen Kfz-Tarif vorgestellt hat.

Wir haben uns über die drei Tarifvarianten, das Pricing im Verhältnis zu den Wettbewerbern und die Deckungsumfänge unterhalten, dann kamen wir auf die Frage, welche Daten abgefragt werden, um den Tarif zu berechnen. Das Ergebnis: Viele, sogar sehr viele. Ein Beispiel: Bei vielen Versicherern muss man das Alter des jüngsten und des ältesten Fahrers angeben, hier muss man also die Geburtsdaten aller Fahrer angeben. Das macht es komplizierter – bei einer Familie mit drei erwachsenen Kindern, die alle das Familienauto fahren, braucht es also fünf Geburtsdaten.

Der große Vorteil: Der Tarif kann jedes Jahr dynamisch angepasst werden. Fahrer mit 23 Jahren sind günstiger als Fahrer mit 21, d.h. wenn der jüngste Fahrer aktuell 21 Jahre ist und das Geburtsdatum vorliegt, kann der Tarif in zwei Jahren zum Stichtag des Versicherungsbeginns automatisch vom System neu kalkuliert werden und der Kunde bekommt einen günstigeren Kfz-Versicherungsbeitrag. Die Kehrseite der Medaille: Eine unglaubliche Komplexität, die in 53 Millionen unterschiedlichen Berechnungsmöglichkeiten gipfelt, daher der offene Mund. Bei ca. 43 Millionen Autos, die es 2012 in Deutschland gab, sind das ca. 1,2 Tarifvarianten je Auto – das nennt man wohl individuelle Tarifierung.

Heute kam dann noch eine Studie von Towers Watson rein, dass mehr als die Hälfte der Deutschen offen für sogenannte Telematik-Tarife sind. Bei diesen Tarifen hängen die Kosten für die Kfz-Versicherung dann individuell von telematischen Daten wie Bremsverhalten, Kurvenverhalten und Geschwindigkeit, die laufend gemessen werden, ab. Das bedeutet komplette, laufende Erfassung und Übermittlung dieser Daten an die Versicherungsgesellschaften. In USA und Großbritannien ist das durchaus etabliert, in Deutschland spielt es bis jetzt noch fast keine Rolle. wenn es kommt, bedeutet es in jedem Fall nochmal einen ordentlichen Schluck aus der Komplexitätspulle.

Wenn Sie Ihre aktuelle Versicherung überprüfen wollen, tun sie das, am einfachsten über unseren Online-Vergleichsrechner.

Foto: Colourbox.com

 

Ein Gedanke zu „Kfz-Versicherung: 53 Millionen Tarifkombinationen“

  1. J.Pfennig sagt:

    Sie haben vollkommen recht. Die Tarif-Kombinationen sind wirklich gewaltig. Dank Internet und moderner Software lässt sich aber gerade die sehr standardisierte Kfz-Haftpflicht-Versicherung wunderbar vergleichen. Auch das sprechen Sie ja an.
    Auch ich kann deshalb jedem Fahrzeughalter nur empfehlen, sich zumindest mal die Angebote anzusehen. Das kostet nichts ausser etwas Zeit.
    Und bei den Ersparnismöglichkeiten (oft mehrere 100 Euro im Jahr) wette ich, dass es auch da so manchen ungläubigen Blick und heruntergeklappte Kinnladen gibt.

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