06.09.2013

Kategorie(n): Allgemein

10-milliarden-menschen

Das ist die große, eingängige Zahl, die im Zusammenhang mit Demographie gehyped wird: 10 Milliarden Menschen, wann werden wir – wenn überhaupt – so viele Menschen auf der Erde sein? Die Szenarien sind vielfältig und für einen Laien nur schwer zu beurteilen.

Ein extrem pessimistisches Szenario präsentiert Stephen Emmott, Head of Computatinal Science bei Mircrosoft, wo er weitgefächerte wissenschaftliche Forschungsprogramme leitet. In seinem Buch »10 Milliarden« beschäftigt er sich mit den Problemen, die mit der wachsenden Weltbevölkerung einhergehen: Wassermangel, steigender Energieverbrauch, Nahrungsmittelknappheit, steigende Temperaturen. Sein Fazit am Ende des Buches lautet (nicht autorisierte Übersetzung aus dem englischen): »Wie ich bereits zu Beginn sagte, können wir die aktuelle Situation der Erde ruhig als nie dagewesenen Notfall bezeichnen. Wir müssen dringend etwas machen – und ich meine wirklich machen – etwas radikales um eine globale Katastrophe zu vermeiden. Aber ich denke wir werden es nicht machen. I think we are f..ked.

Ich habe einen der rationalsten und schlauesten Wissenschaftler, die ich kenne gefragt – ein Wissenschaftler, der auf diesem Gebiet arbeitet, ein junger Wissenschaftler, ein Wissenschaftler, der in meinem Forschungszentrum arbeitet – was er angesichts dieser Situation tun würde, wenn er nur eine einzige Sache tun könnte.

Seine Antwort?

»Meinem Sohn beibringen wie man mit einer Waffe umgeht.«

Das ist nicht lustig, das ist oberpessimistisch, um nicht zu sagen verantwortungslos. Denn was soll man davon halten, wenn führende Wissenschaftler keine anderen Vorschläge für die großen Probleme der Menschheit haben als den Umgang mit Waffen zu Lehren. Traurig.

Nicht ganz so dramatisch sieht es Professor Danny Dorling, der kürzlich als Geographieprofessor nach Oxford berufen wurde. Sein Buch führt die 10 Milliarden auch im Titel (Population 10 Billion – The coming demographic Crisis and how to survive it), aber sein erstes Kapitel trägt den Titel »Stop Worrying«. Und er greift Emmotts letzten Satz auf und ordnet ihn ein: Emmott hätte schließlich ein großes Forschungslabor zu finanzieren und da könne ein Schuss Dramatik nicht schaden. Im Übrigen gäbe es bei der Bevölkerungsentwicklung allerlei Skuriles: Zum Beispiel eine Bewegung, die den Freiwilligen Verzicht auf Fortpflanzung propagiert. So könne sich die Menschheit langsam selbst beseitigen und mit ihr ihre negativen Nebenwirkungen, so dass die Natur wieder in ihren Ursprungszustand zurückfinden könne.

Ob das nun schräger ist als die Waffengeschichte sei dahingestellt. Für den Moment bleiben drei Dinge festzuhalten:

  1. Emmotts Buch ist trotz des Endes lesenswert, da es viele spannende Fakten enthält.
  2. Es gibt durchaus optimistischere Stimmen als Emmott, Professor Dorling scheint eine solche zu sein
  3. Ob Dorlings Buch lesenswert ist, kann ich im Moment noch nicht sagen, da ich erst die Einführung gelesen habe, Details folgen.