03.09.2013

Kategorie(n): Allgemein

schottland

Nicht nur Deutschland altert, es ist ein europäisches Phänomen. In meinem Sommerurlaub in Schottland sind mir einige Dinge aufgefallen, die ich gerne mit Ihnen teilen möchte. Ich will nicht sagen, dass die Schotten anders altern, dazu reichen Beobachtungen nicht aus, dazu bräuchte es eine Untersuchung und die habe ich sicher nicht angestellt. Also genug der Vorrede, los geht es mit den Dingen, die mir aufgefallen sind:

Lupen am Einkaufswagen: Wer kennt das nicht, man möchte gerne das Kleingedruckte auf der Rückseite der Verpackung eines Lebensmittels lesen. Keine Chance, viel zu klein – und die Lesebrille liegt natürlich zu Hause (mit über 40 bin ich auch in der Gruppe und weiß, wovon ich rede). Bei TESCO, einer führenden Supermarktkette kein Problem: Es gibt Einkaufswagen mit integrierter Lupe, Eine einfache, aber sehr hilfreiche Idee. Gefällt mir.

Kleine Elektrofahrzeuge: Noch nie in meinem Leben habe ich so oft in der Stadt ältere Menschen in solchen unförmigen Kleinstfortbewegungsmitteln sitzen sehen. Dazu auch viele Alte, die nur noch sehr schlecht an Stöcken oder Krücken gehen konnten. Ist das nur ein Zufall, liegt es vielleicht daran, dass der National Health Service nicht so gerne Hüftoperationen bezahlt? Ich weiß es nicht, aber war sehr auffällig. Vielleicht lieg es auch einfach daran, dass mehr alte Menschen mit solchen Gebrechen zu Hause oder bei ihren Familien leben statt in einem Pflegeheim.

Gelassene und fröhliche Alte: Die Menschen hier sind sehr freundlich, gelassen, man hat das Gefühl, sie haben noch mehr Zeit als die allseits gehetzten Deutschen. Das mag am Landleben liegen, denn außerhalb der pulsierenden Metropolen Glasgow und Edinburgh, wird es sehr schnell sehr ländlich: Single-Track-Roads, Schafe und Kühe auf der Strasse und eine eingeschränkte Infrastruktur (da muss man schon mal 45 Minuten fahren um mehr zu finden als einen Tante-Emma-Laden). Insofern sind die Alten einfach nur normale Schatten. Sinnbild für diese Gemütsverfassung ist eine Begegnung bei TESCO: Eine alte Frau sitzt im Rollstuhl, geschätztes Alter Mitte 70, das linke Bein unterhalb des Knies amputiert. Sie machte nicht den Eindruck, als ob sie sich in Ihrer gebrechlichen Verfassung mit dem Rollstuhl noch alleine fortbewegen könnte, jemand hatte sie in einem Gang zwischen den Regalen »abgestellt«, dennoch hat sie mich freundlich angestrahlt und mir zugenickt. Ihr ganzes Gesicht strahlte Zuversicht und Zufriedenheit aus.

Von dieser Einstellung werde ich versuchen mal ein bisschen was in den Alltag mitzunehmen.

Foto: © jazrotorman – Fotolia.com