02.08.2013

Kategorie(n): Allgemein

Das Thema Bürgerversicherung ist im Moment nicht in der ersten Reihe, der politisch diskutierten Themen. Das liegt vielleicht auch daran, dass andere Themen, Affäre und Skandale die politische Agenda beherrschen: Die Amis bzw. ihre NSA macht die ganze Welt zu gläsernen Bürgern und die Einkaufsabteilung der Bundeswehr hat weder Kosten noch Anforderungen im Griff. Daraus lässt sich scheinbar im Moment mehr politisches Kapital schlagen.

Dennoch ist es so, dass nicht nix passiert, im Gegenteil, es passiert sogar sehr viel, hier ein kleiner Überblick zum Wochenausklang:

Die Betriebsratsinitiative „Bürgerversicherung – Nein, danke!“ führt unermüdlich Gespräche mit politischen Entscheidungsträgern über die Risiken der Bürgerversicherung. Das lässt sich leicht verfolgen, denn auf der entsprechenden Facebook-Seite wird das alles aktuell dokumentiert. Ein like lohnt sich.

Aber nicht alle stellen sich dem politischen Diskurs: Hier ist leider zuerst Frau Nahles zu nennen, als Generalsekretärin muss sie in der SPD-Männer-Troika vielleicht eine härtere Gangart zeigen. Aber Betriebsräten das Gespräch zu verweigern und sie mit Vogel-Zeigen zu bepöbeln, ist schon ein starkes Stück. In Ihrem Videoblog „Auf die 12 mit Andrea Nahles“ gibt es allerlei lustiges zu sehen.

Nicht wirklich reden will auch der SPD Gesundheits-Experte Prof. Dr. Karl Lauterbach – zumindest mit den Betriebsräten. Erzählen tut er natürlich gern und viel, aber möglichst als Einwegveranstaltung, er der Sender, alle anderen die willigen Empfänger. Die SPD schaltet auf das Stichwort Bürgerversicherung sogar bei Google Adwords.

Klar positioniert hat sich inzwischen die CDU, im Wahlprogramm lehnt sie die Bürgerversicherung ab, bei der FDP war es sowieso nie ein Thema. Und die Linke ist sowieso für alles was nach Einheitsbrei riecht. Also sind zumindest die Standpunkte klar verteilt.

Dann ist da noch die Ärzteschaft, die sich auch klar gegen die Bürgerversicherung positioniert hat. Unter http://www.keine-buergerversicherung.de/ wird eine Plakataktion vorgestellt, die die nächsten Wochen geklebt wird. Die Plakate können auch heruntergeladen werden.

Ach ja, dann sind da noch die Fakten. Nehmen wir mal die Wartezeiten. Natürlich muss man auch in Deutschland manchmal (zu) lange auf einen Facharzttermin warten. Aber wie obenstehende Grafik zeigt, sind wir im globalen Vergleich gut aufgestellt. Daher bleibt die entscheidende Frage: Warum ein im internationalen Vergleich sehr gut funktionierendes System auf den Kopf stellen? Natürlich muss das deutsche Gesundheitswesen weiter verbessert werden, aber es ist eines der besten der Welt und ich fürchte, dass es durch die Bürgerversicherung extrem verschlimmbessert würde.

Quelle: WIP: Rationierung und Versorungsunterschiede in Gesundheitssystem, 2013

 

2 Kommentare

Sorry, aber das Eine hat mit dem Anderen nichts zu tun!

Norwegen ist eines der effektivsten Gesundheitssysteme! Denn Effektivität hat nichts mit dem direkten Facharztbesuch zu tun!

Und letztendlich stellt sich dann noch die Frage, wie man in Deutschland den leistungsanspruch an eine einheitliche Versicherung definiert!

Arbeitsplatzverluste? – das ist schon einmal Unfug, wie man leicht nachrechnen kann! Die PKV Versicherer beschäftigen selbst doch gar keine 15.000 Mitarbeiter!

Subvention durch Selbstzahler? Die Privathonorare der Arztpraxen betragen bundesweit 15,4% und da sind IgeL und GKV Versicherte mit Kostenerstattung bereits enthalten! Was immer vergessen wird: die Leistungsausgaben der PKV beinhalten die Personalkosten für die Leistungsausgaben und mit keiner Zahl kommt man auf 26%!

Und die Kompensation ist doch machbar: http://www.tk.de/centaurus/servlet/contentblob/508076/Datei/ Prof. Wasem hatte es doch berechnet!


Danke für die Ergänzungen und kontroversen Aspekte. Für mich sind die europäischen Vergleichszahlen schon von Interesse im Zusammenhang mit der Bürgerversicherung. Denn unser System steht im Vergleich gar nicht so schlecht da… Neben den Mitarbeitern bei den PKVs direkt, wird auch der eine oder andere Makler und PKV-Berater seinen Job aufgeben müssen… ich freue mich jedenfalls, wenn wir hier weiter mit unterschiedlichen Quellen kontrovers diskutieren…