03.07.2013

Kategorie(n): Allgemein

altersvorsorge-lebensversicherung

Und da ist es wieder das gern genommene Lebensversicherungsbashing. Diesmal sind es wieder die Freunde von FOCUS. Immerhin ist Ihnen das Thema so wichtig und messen sie ihm so viel Relevanz bei, dass sie es auf den Titel heben. Und die Titelgeschichte ist für den Kioskverkauf von hoher Relevanz. Also nur aus Spaß am Bashing wird hier nicht geschrieben, es geht knallhart um Auflage. Deshalb darf es auch ein bisschen reißerisch sein: „Was ist Ihre Lebensversicherung noch wert?“. Dann schauen wir mal, was inhaltlich geboten wird.

Sagen wir mal so, das übliche an Beispielen: Menschen, die nicht verstehen können, dass sie weniger bekommen als prognostiziert. Wenn es wie in einem Fall geschehen auf einer Falschberechnung beruht, ist das natürlich inakzeptabel. Dass manches tendenziös ist, zeigt sich zum Beispiel an folgenden Formulierungen:

  • „Allerdings sind es eben auch Prognosen und keine Garantien. Doch bei den Sparern entsteht der Eindruck, sie könnten in etwa mit der ausgewiesenen Summe rechnen.“ Sind die Verbraucher nun mündig oder nicht. Wer eine Prognose für eine Garantie hält, hat etwas falsch verstanden oder nicht richtig gelesen, denn die Formulierungen in den Angeboten bzw. Schreiben der Versicherungsgesellschaften trennen hier eindeutig.
  • „Gerade bei Verträgen mit Todes- und Unfallschutz kann ein Vertrag trotz hoher Garantie auch eine Minusrendite bringen.“ Das „kann“ ist richtig, denn wäre es spannend zu ermitteln, wie viel Prozent der Verträge, dieses betreffen kann. Eine Lebensversicherung, die zusätzliche Risiken wie Tod und Unfall absichert ist eben kein reiner Sparvertrag. Diese Risikovorsorge kostet natürlich Geld und senkt damit die Rendite. Keine Überraschung.

Und es geht tendenziös weiter, diesmal eingekastelt:

  • „Auf der Suche nach der richtigen Altersvorsorge hilft es, die Tricks der Finanzvermittler zu kennen.“ Schön, wenn von seriösen Journalisten unterstellt wird, dass Finanzvermittler grundsätzlich mit Tricks arbeiten.
  • Versicherungsmathematiker Philipp Schade, Professor an der EBZ Business School, Bochum, rät „wer eine unabhängige Beratung möchte, sollte einen Termin bei einen Termin bei einer Verbraucherzentrale oder bei einem Honorarberater machen.“ Was nicht gesagt wird: Mitarbeiter von Verbraucherzentralen können weder für Ihre Empfehlungen haftbar gemacht werden, noch gibt es für Ihre Ausbildung Mindeststandards. Beides ist bei Versicherungsmaklern gegeben. Und die Behauptung, dass eine Beratung besser ist, nur weil Sie gegen Honorar und nicht gegen Provision erfolgt, wird gerne und oft wiedergekäut, ob sie deswegen richtig ist, sei dahingestellt.
  • Die Behauptung „Finanzvermittler verkaufen am liebsten Paketlösungen, also zur Rentenversicherung gleich auch eine Berufsunfähigkeitspolice. Das erhöht die Provision. … durch die Koppelung entstehen in der Regel höhere kosten.“ Ist wirklich hanebüchen, und zwar aus folgenden Gründen: Warum ein Vertrag mehr Kosten hat als zwei? Ich weiß es nicht? Warum das mehr Provision bringen soll? Auch das weiß ich nicht? Klar ist zum Beispiel, dass ein Kunde, für den eine Rürup-Rente steuerlich passt, seine BU-Beiträge steuerlich geltend machen kann, wenn er ein Kombiprodukt hat. Darüber muss ich einen Kunden im Sinne einer ganzheitlichen Beratung informieren. Aber pauschale, vereinfachende Thesen lesen sich besser. Und Versicherungsmathematiker haften genauso wenig für Ihre Empfehlungen wie Verbraucherschützer.
  • Und dann wird noch die Dynamik pauschal verteufelt. Klar gibt es dafür Provision. Aber darf Finanzexperte Thomas Mai von der Verbraucherzentrale Bremen deswegen behaupten: „Mit der Dynamisierung erhöht sich der Todesfallschutz, und damit lohnt sie sich nicht.“ Wo ist da die Logik? Auch ein Todesfallschutz, der mit der allgemeinen Entwicklung der Lebenshaltungskosten steigt, macht Sinn. Ich wünschte, die Verbraucherschützer würden für Ihre Aussagen haften.

Und zum Schluss wird es ganz spannend, wie es sich für ein gutes Ende gehört: Herr Bürmann, 36, hat seine Rentenversicherung gekündigt. Weil er festgestellt hat, dass er 92 werden muss, um seine eingezahlten Beiträge zurückzuerhalten. Und dann kommt die Krönung: „Jetzt legt er sein Geld lieber direkt am Kapitalmarkt an.“ Folgendes ist dazu zu sagen:

  • Herr Bürmann hat eine Wahrscheinlichkeit von 30% 95 zu werden. Wie stellt er sicher, dass sein am Kapitalmarkt selbst angelegtes Geld bis zu seinem Lebensende reicht? Das nennt man Langlebigkeitsrisiko und das sichert nur eine Rentenversicherung ab.
  • Herr Bürmann ist Ingenieur. Woher hat er die Kompetenz, sein Geld selbst am Kapitalmarkt anzulegen. Ich kaufe mein Auto fertig und nicht im Bausatz. Denn als Betriebswirt kann ich vielleicht Autowaschen und Reifen wechseln, aber keins zusammen bauen.
  • Der letzte Satz ist der Silberstreifen am Horizont: „Nicht jeder Fall ist allerdings so eindeutig.“ Ob es der von Herrn Bürmann ist, sei mal dahingestellt, aber wenigsten wird dieser wichtige Aspekt, nämlich die individuelle Beurteilung der Situation nicht unter den Teppich gekehrt.

Wenn Sie also eine unabhängige, individuelle Beratung wünschen, vereinbaren sie einfach online oder telefonisch (069 – 71 70 71 – 540) einen Termin.

 

1 Kommentar

Sehr geehrter Herr Mack,
nun Ihre Fragen „Warum ein Vertrag mehr Kosten hat als zwei? Ich weiß es nicht?“
kann ich gerne beantworten. In der Regel sind die Todesfallkosten z.B. in einer Kapitallebensversicherung von den Aktuaren bzw. aus Geschäftspolitik deutlich höher kalkuliert als das selbe Einzelrisiko separat versichert. Es ist nicht selten das hier 2-3 Mal so hohe Prämien Berücksichtigung finden, was aus Geschäftspolitik der Versicherungsgesellschaft natürlich sehr lukrativ ist. Grundsätzlich sollten m.E. Sparprozesse von der Absicherung von Risiken (Tod, BU, Unfall) getrennt werden, das legt die Kosten von Produkte deutlich nachvollziehbarer offen.
Als Makler sollten Sie natürlich auch auf die Möglichkeit einer Kombination hinweisen, z.B. bei der Rürup-BU. Rechnen Sie aber konsequenter Weise nach und der BU Fall tritt ein, dann drehen sich die anfänglichen Steuervorteile schnell in Nachteile um, denn die BU muß ja dann auch deutlich höher versteuert werden und das in jeden Monat der BU-Rente. Die meisten Kunden mit Rürup-BU sollten also konsequeter Weise nicht länger als ca. 10% Ihrer dann erreichten Vertragslaufzeit BU werden, denn dann sind i.d.R. die Steuerbelastungen höher als die bis dahin erreichten Steuervorteile. (Der Staat verschenkt nichts – jedenfalls nicht an den „kleinen“ Mann). Die Angaben sind selbstverständlich grob gehalten, da jede Gesellschaft andere Kostensätze beinhaltet, sind aber aus der meiner täglichen Praxis. Beste Grüße aus Hannover. Stefan Bode