05.06.2013

Kategorie(n): Allgemein

zuers-hochwasser

In gut zehn Jahren tobt die zweite Jahrhundertflut durch Europa. Besonders betroffen sind Deutschland, Österreich und Tschechien. Warum die Flüsse so anschwellen ist klar, wenn in bestimmten Gegenden in vier Tagen mehr als 400 Liter /m² Regen fallen, wo in einem normalen Monat gerade Mal 200 Liter runter kommen. „Es wird in Zukunft mehr Unwetter geben“, sagt Ernst Rauch, Leiter Corporate Climate Centre bei Munich Re, der dem Handelsblatt ein „Interview zur großen Flut“ Im Handelsblatt gegeben hat.

Ein Hochwasser fällt unter den Begriff des Elementarschadens, dazu gehören auch noch Überschwemmung, Erdbeben, Vulkanausbruch, Rückstau, Schneedruck, Erdrutsch, Erdsenkung, Erdbeben und Lawinen. Zahlen müssen hier – sofern Versicherungsschutz besteht – die Hausrat- und die Gebäudeversicherung. Versichert sind die Schäden am Gebäude, der Hausrat, der verschwindet oder nicht mehr zu gebrauchen ist, die Aufräumkosten und auch die Wiederherstellungskosten. Letzteres ist bei Wasserschäden ein Riesenthema, da oft die Frage gestellt werden muss, ob sich eine aufwändige Reparatur lohnt – ein Gebäude trocken zu legen ist mit hohem Aufwand verbunden und nach einem Hochwasser fehlt es meist an Trockengeräten. Was alles versichert ist in welcher Versicherung, haben die Kollegen vom r+v Blog sehr fein aufbereitet, da lohnt der Link.

Wie man sich im Schadenfall richtig verhält, was im Zusammenhang mit Schäden am Kfz zu beachten ist und wie es z.B. mit Datenträgern verhält, die abzusaufen drohen, haben die Kollegen vom Handelsblatt in einer kleinen FAQ-Liste zusammengestellt. Auch hier lohnt ein Klick.

Das alles entscheidende bei der Prämienermittlung ist die Frage, in welcher ZÜRS Zone ein Gebäude liegt. Zürs steht für Zonierungssystem für Überschwemmung, Hochwasser und Rückstau oder Zonierungssystem für Überschwemmungsrisiko und Einschätzung von Umweltrisiken. Dieses System wurde vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft entwickelt und kennt vier Gefährdungsklassen (vom GDV entwickelt), um den Grad der Gefährdung in bestimmten Regionen zu bemessen. Elbe z.b. rot = keine Chance auf Versicherungsschutz:

Gefährdungsklasse 4: statistisch 1 mal in 10 Jahren ein Hochwasser
Gefährdungsklasse 3: statistisch 1 mal in 10-50 Jahren ein Hochwasser
Gefährdungsklasse 2: statistisch 1 mal in 50-200 Jahren ein Hochwasser
Gefährdungsklasse 1: statistisch seltener als einmal alle 200 Jahre ein Hochwasser

Dieses System gibt es seit 2001, seither wurde ZÜRS regelmäßig weiterentwickelt und aktualisiert: Insgesamt sind über 21 Millionen Adresskoordinaten in diesem System hinterlegt. Es wurden Überschwemmungsdaten von mehr als 200 Wasserwirtschaftsämtern gesammelt und rund 200.000 Flüsse und Bäche ausgewertet. Dadurch kann praktisch jedes Gebäude einstuft werden.

In Gefährdungsklasse 1 und 2 kann problemlos Versicherungsschutz gewährt werden, in Klasse 4 ist es nahezu ausgeschlossen, Versicherungsschutz zu bekommen oder die Versicherungsbeiträge sind so hoch, dass die potentiellen Kunden selbst Rücklagen in dieser Höhe bilden können. In Klasse drei ist es oft mit Auflagen wie hohen Selbstbehalten verbunden oder von Sicherungsmaßnahmen abhängig.

Nach Aussagen von Ernst Rauch sind über 90% der Gebäude problemlos zu versichern. Rein statistisch liegen 10-12% der Gebäude in der Gefährdungsklasse 2 und etwa 2,3% in der Zone 3 und 4. In den ersten drei Zonen kommt es deshalb manchmal zu Schwierigkeiten beim Versicherungsschutz, das ZÜRS zusätzlich eine Bachzone beinhaltet: „Das Flussnetz wurde um kleine Gewässer erweitert, um die eine Pufferzone von jeweils 100 Metern pro Seite gelegt wurde. Liegt ein Haus innerhalb dieser Zone, also nicht mehr als 100 Meter vom Bach entfernt, gibt ZÜRS diese Bachinformation zusätzlich zur Gefährdungsklasse an.“ Bei größeren Ereignissen wie den sogenannten Jahrhundertfluten liegt ein erheblicher Anteil der Schäden in der Gefährdungsklasse 1, weil z.B. kleine Bäche zu reißenden Flüssen werden und erhebliche Schäden verursachen.

An dieser Stelle bleibt mir noch mich bei meinem Kollegen Michael Stürmer aus unserer Schadenabteilung für die Recherche-Unterstützung zu bedanken und vor allem den Menschen, die aktuell von der Flut betroffen sind, viel Kraft für den Wiederaufbau zu wünschen.

Foto: GDV

 

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