10.06.2013

Kategorie(n): Allgemein

buergerversicherung

Kann es eine gute Nachricht sein, wenn eine Gruppe von Betriebsräten eine Aktion startet, die gegen etwas ist? In diesem konkreten Fall gegen die Bürgerversicherung. Ich meine ja, denn hier werden scheinbar ideologisch zementierte Barrieren durchbrochen: Betriebsräte machen gegen ein sozialpolitisches Vereinheitlichungsprojekt von SPD und Grünen mobil. Eine wirklich ungewöhnliche Konstellation. Und neben aller Ideologie und allen politischen Programmen gibt es ja auch noch ein paar Fakten, die ins Feld geführt werden können. Aber der Reihe nach.

Angefangen hat alles mit einem Gutachten der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung unter Leitung des Gesundheitsexperten Robert Paque. Darin wurden mögliche Auswirkungen der Bürgerversicherung untersucht. Auch die Frage, ob dadurch Arbeitsplätze gefährdet sind. In Auftrag gegeben wurde dieses Gutachten von den Grünen. Dass die Ergebnisse brisant sind, lässt sich schon daran erkennen, dass es zwar vorliegt, aber noch nicht publiziert wurde. Dennoch sind zwischenzeitlich so viele Details durchgesickert, dass das Gutachten in aller Munde ist.

Ich werde das Thema einer möglichen Einführung einer Bürgerversicherung hier intensiv begleiten. Heute mal einige Informations-Splitter rund um das Thema Krankenversicherung in Deutschland und die alternative Bürgerversicherung:

  • Der Name ist genau genommen irreführend, denn auch jetzt sind Bürger in Deutschland versichert. Mit Wahlmöglichkeiten hinsichtlich des Systems und der Form der Absicherung. Genau genommen müsste die sogenannte Bürgerversicherung als Einheitsversicherung firmieren.
  • Dass Einheitssysteme nicht besser funktionieren sollte gerade in Deutschland die Geschichte leeren. Wer sich nicht mehr erinnern kann: Ein Blick in die jüngste Geschichte zeigt, welche gravierenden Leistungsdefizite innerhalb weniger Jahre in einem Einheitssystem im Vergleich zu einem pluralistischen Ansatz entstehen.
  • Und nochmal zum Gutachten: Die Prognose lautet, dass die Einführung der sogenannten Bürgerversicherung ca. 75.000 Arbeitsplätze vernichten würde.
  • Deutschland hat ein Gesundheitssystem, an dem sicherlich einiges verbesserungswürdig ist, aber es ist dennoch eines der besten der Welt: mit – im europäischen Vergleich – geringen Wartezeiten bei Operationen und Facharztbesuchen und einem insgesamt hohen Niveau der Versorgung.
  • Zum Schluss dieser Liste noch ein Blick nach Großbritannien. Hier gibt es Bürgerversicherung in Reinform, alles ist steuerfinanziert. Das funktioniert so gut, dass im Moment über folgende Maßnahmen hinsichtlich des Leistungskataloges diskutiert wird:
    • Operation des Grauen Star nur noch bei Beeinträchtigung der Arbeitskraft. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass diese Operation für Rentner nicht mehr bezahlt wird.
    • Kostenübernahme von Mandeloperationen nur noch, wenn bereits 7 (in Worten: sieben) Mandelentzündungen zu Buche stehen – und zwar auch für Kinder! Wer möchte das seinem Kind zumuten.

Daher meine Bitte: Informieren Sie sich genau zum Thema Bürgerversicherung. Mit einem Klick sind Sie auf der homepage der Initiative www.buergerversicherung-nein-danke.de oder werden Sie Fan der entsprechenden Facebook-Seite.
Darüber hinaus lohnt es sich natürlich immer über einen Wechsel in die Private Krankenversicherung nachzudenken und sich ein entsprechendes Angebot unterbreiten zu lassen oder alternativ eine Krankenzusatzversicherung abzuschließen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine informierte Woche.

 

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