17.05.2013

Kategorie(n): Allgemein

angelina-jolie

Es ist beinahe ein Wunder, wie sachlich diese Debatte läuft. Und das ist gut so und bleibt hoffentlich auch so. Denn es ist ein zu wichtiges Thema, dass durch die mutige Entscheidung von Angelina Jolie, eine sehr private Angelegenheit in einem seriösen Umfeld (New York Times) öffentlich zu machen und damit eine Diskussion anzustoßen.

Die Fakten zu Brustkrebserkrankungen in Deutschland:

  • Jedes Jahr erkranken ca. 78.000 Frauen in Deutschland neu an Brustkrebs.
  • Statistisch bedeutet das, dass mindestens jede 10. Frau in Deutschland an Brustkrebs erkrankt.
  • Jedes Jahr gibt es ca. 17.000 Todesfälle in Deutschland, bei denen die Todesursache Brustkrebs ist.
  • In ca. 5% der Fällen ist die Ursache genetisch bedingt, wobei „nur“ eine von 500 Frauen eine Mutation des BRCA1 oder 2 Gens hat, wie es bei Angelina Jolie der Fall war.

Nun stellt sich in diesem Kontext für Emma-Normal-Frau die Frage, wer bei welcher Diagnose, was bezahlt bzw. bezahlen muss. Für Angelina Jolie hat sich diese Frage sicherlich nicht gestellt, denn 3.000 EUR oder US$ für den Gentest und die wie vielen zehn oder hunderttausend Euro für die Brustamputation bzw. –rekonstruktion stellen für sie kein unüberwindbares Hindernis dar. Welche Frau finanziell nun nicht ganz so bequem gebettet ist, für die ist es dagegen auch eine finanzielle Frage, wie mutig oder selbstbestimmt sie diese Entscheidung treffen kann.

Aus diesem Grund haben meine Kollegen die letzten Tage mit gesetzlichen und privaten Krankenversicherungsgesellschaften telefoniert. Die Aussagen sind wage, aber sie erlauben eine erste Einschätzung wie das laufen könnte:

  • Wer ein erhöhtes Brustkrebsrisiko hat, bekommt mehr und in jüngeren Jahren zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen, die sowohl von den gesetzlichen als auch von den privaten Kassen bezahlt werden.
  • Einzelne Kassen bieten auch besondere Programme, z.B. in Kooperation mit Kliniken und/oder Universitäten an, wenn ein erhöhtes Risiko diagnostiziert wird.
  • Darüber hinaus ist alles anders – angefangen beim Gentest bis zur prophylaktischen Amputation und Rekonstruktion – keine Regelleistung, die gesetzlich oder als Bedingungen eingefordert werden kann oder auf die ein Anspruch besteht.
  • Wir haben oft die Worte „Ermessensspielraum“ oder „Einzelfallentscheidung“ gehört als Antwort auf die Frage wie denn warum entschieden wird.

Es ist nachvollziehbar, dass bei einem solch medial gehypten Thema, das im Einzelfall auch teure Behandlungen mit sich bringt, niemand am Telefon mal schnell eine verbindliche Aussage trifft. Dennoch lassen sich zwei, drei Schlüsse ableiten.

  • Der Wunsch von Angelina Jolie, dass jede Frau eine informierte und selbstbestimmte Entscheidung trifft ist richtig, kann aber selbst in einem reichen Land mit einem guten Gesundheitssystem wie Deutschland nicht einfach so gewährleistet werden. Von ärmeren westlichen Ländern oder gar Schwellen- und Entwicklungsländern gar nicht zu reden.
  • Es gibt keinen wie auch immer fundierten Rechtsanspruch auf diese Art der Behandlung. Daher bleibt neben der ethischen Entscheidung, was nun persönlich für die einzelne Frau richtig ist auch ein gewisser Kraftaufwand, sich ggf. die Behandlung gegen einen wie auch immer gearteten, tendenziell bürokratischen Verwaltungsapparat zu erkämpfen.
  • Tendenziell ist die Wahrscheinlichkeit – gerade in Comfort-Tarifen – höher, dass Private Krankenversicherungen derartige Behandlungen übernehmen.

Deshalb bleibt mir an dieser Stelle nur die Empfehlung an alle Frauen, sich mit dem Thema Private Krankenversicherung bzw. Krankenzusatzversicherung auseinanderzusetzen. Nur wer ein persönliches Angebot vorliegen hat kann in der Frage der eigenen Krankenversicherung eine informierte und selbstbestimmte Entscheidung treffen – auch wenn die Tragweite sicherlich deutlich geringer ist als diejenige, die Angelina Jolie getroffen hat. Unsere Consultants vereinbaren gerne einen Termin mit Ihnen.

Foto: DFree @ BigStock