14.05.2013

Kategorie(n): Allgemein

guenther-jauchGünther Jauch diskutiert das Problem von zu vielen OPs im Krankenhaus. Die FAZ bearbeitet das Thema in ihrer Frühkritik ausführlich, aber es bleiben einige Aspekte unerwähnt, die ich gerne noch stichwortartig ergänzen möchte:

  • Honorararzt Hendrik Schneider macht es sich ziemlich einfach. Denn ihn interessiert nicht, woher die Kohle kommt. Das sollen die Poltiker regeln. Dank der guten Recherche von Jens Spahn, wissen wir nun, dass er ca. 15.000 EUR im Monat Honorare einstreicht. Nicht so schlecht. Aber er hat mehrfach betont, dass es so nicht weitergehen kann. Vielleicht eher Klagen auf hohem Niveau.
  • Also gleich zum Geld: Es sind mehrere 100 Milliarden im System, jedes Jahr. Daher hat Jürgen Graalmann , Vorstandsvorsitzender AOK-Bundesverband, recht, wenn er sagt, dass es eigentlich nicht am Geld liegen kann. Also bleibt die Frage, was läuft falsch im System und was muss geändert werden.
  • Der einzige der sich an diese Frage heranwagte, war Jens Spahn. Alle anderen blieben im nebulösen. Nicht alle so ignorant wie der Honorararzt, aber auch Thesen wie „Gesundheit ist ein Allgemeingut und keine Ware“ garantieren zwar Applaus, machen sich aber nicht die Mühe, konkret die Frage zu beantworten wie das System denn im Einzelnen gestaltet und wie es bezahlt werden soll.
  • Und zu guter Letzt noch die nun so kurzen Liegezeiten. Vor den Fallpauschalen hatten wir die längsten Liegezeiten, jetzt haben wir deulich kürzere, aber auch nicht die kürzesten in Europa, was wiederum auch keiner außer Jens Spahn mit Zahlen belegte, alle andere jammerten nur über die „blutigen Entlassungen“.
  • Interessante Fakten aus Skandinavien – Wartezeiten von mehreren Monaten auf eine OP – oder aus Großbritannien – lasche Arbeitseinstellung und Personalmangel im National Health Service – wurden galant zu ignorieren versucht. Und auch auf die Gefahr hin, dass ich zum 2. Vorsitzenden des Jens Spahn Fanclubs ernannt werde: Er war derjenige, der diese Fakten einführte.
  • Noch ein Wort zu Herrn Plaßberg: Er war fair und trug damit sicherlich zu einer relativ sachlichen Diskussion bei. Aber er war nicht hart, sonst hätte er seine Diskutanten nicht so oft mit Allgemeinplätzen durchgehen lassen.

Bleiben für mich als Fazit zwei Dinge

  1. Alle, die ich kenne, die mal eine Zeit im Ausland gelebt haben, betrachten unser Gesundheitssystem mit anderen Augen und finden es plötzlich gut. Eine Anekdote aus einem Schottland Urlaub: Mein Sohn hatte sich am Strand einen Stein auf den Fuß fallen lassen. Wir sind in eine „Clinic“ gefahren, lässt sich vielleicht am besten als Mischung aus Krankenhaus und Gemeinschaftspraxis beschreiben. Leider konnte der Fuß nicht geröntgt werden, da das mobile Röntgengerät nur dienstags und donnerstags da ist. Mein Sohn hatte sich den Stein leider Mittwochs auf den Fuß fallen lassen. Auch die behandelnde Person – ich bin davon ausgegangen, dass es eine Ärztin war – machte nicht den sichersten Eindruck und meinte sie würde zur Sicherheit nochmal einen Physiotherpeuthen hinzu ziehen. Dieses Vorgehen hätte in Deutschland wahrscheinlich auch zum Stoff für eine Talkshow gereicht.
  2. Auch wenn es nicht Thema in der Sendung war, aber es ist elementarer Teil der Systemfrage: Die Private Krankenversicherung trägt überproportional zum Funktionieren des Systems bei. Deshalb sollten alle, die locker, flockig, wage über das System diskutieren hier konkret werden und genau überlegen, welche Auswirkungen eine Systemveränderung jenseits aller dogmatischen Denkblockaden haben wird.

So genug über das System philosophiert. Morgen werden wir uns ganz konkret mit der Frage beschäftigen was eine Krankenversicherung im Krankenhaus bezahlt und was vielleicht warum auch nicht.

 

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