06.05.2013

Kategorie(n): Allgemein

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In den letzten Tagen gab es sowohl in der Zeitung Die Welt als auch im Handelsblatt fundierte Artikel zum Thema Demographie mit überraschend guten Spiele Nachrichten. Beide Artikel sind so gehaltvoll, dass es lohnt, sie komplett zu lesen. Den Welt-Artikel gibt es online, da verlinken wir dann schön drauf, den Gastkommentar von Michael Hüther unter dem Titel Köpfe, Zeit, Produktivität habe ich im Flieger ganz old school auf Papier gelesen – und auf www.handelsblatt.com nicht gefunden.

Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft beschreibt, wie auch eine alternde Gesellschaft Wachstum produzieren kann, und berichtet dass seit 2005 die Zahl der Erwerbstätigen um 2,6 Millionen auf 41,6 Millionen gestiegen ist. Das ist sehr positiv, allerdings dürfen wir als Gesellschaft in unseren Anstrengungen nicht nachlassen, wenn wir unseren Lebensstandard halten wollen. Laut Hüther müssen wir in drei Kategorien dran bleiben: Köpfe, Zeit und Produktivität.

Köpfe: Trotz vieler Investitionen in die Familienpolitik bleibt die Geburtenrate niedrig. Deshalb wird sich hier nur etwas bewegen, wenn die Arbeitgeber die Vereinbarkeit von Beruf und Familie aktiv gestalten. Was die Köpfe anbetrifft tut sich in den letzten beiden Jahren etwas im Bereich Zuwanderung: 2011 gab es einen Wanderungsüberschuss von ca. 280.000 Personen, 2012 gar von knapp 370.000.

Zeit: Hier zeigt die Rente mit 67 die größte Wirkung. Wenn sie bis zum Jahr 2029 komplett eingeführt ist, werden dadurch 2,7 Menschen mehr in Lohn und Brot stehen als bei der Rente mit 65. Dass es funktioniert zeigt auch die Erwerbsquote der 60 bis 64-jährigen. Sie stieg seit dem Jahr 2000 von 21% auf 47%. Jede weitere Anhebung des Rentenzugangsalters bringen weitere 1,1 Millionen Erwerbspersonen zusätzlich. Deshalb ist das Anheben des Renteneintrittsalters das wirksamste Mittel, um den Demographischen Wandel zu bewältigen.

Einen ähnlichen Tenor hat der Artikel von Axel Börsch-Supan, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. „Das sind doch alles keine alten Leute, die da mit 60 oder 62 Jahren in Rente gehen“ schreibt er. Das ist seine Mission, den Menschen beizubringen, dass sie nicht mit 60 alt sind, sondern erst 15 Jahre vor ihrem Tod. Bei steigender Lebenserwartung beginnt das Alter also immer später. Die Frage, die er in der Überschrift seines Artikels stellt: „Sind die Alten noch zu gebrauchen?“ fast schon überraschend positiv. Menschen, die mit 60 in Ruhestand gehen, in ihrer Leistungsfähigkeit eher nachlassen im Vergleich mit denen, die Weiterarbeiten. Und dann kommt noch etwas hinzu: Diejenigen die weiterarbeiten sind aufgrund der sozialen Kontakte auch zufriedener. Das Fazit des Artikels ist interessant: Die Gründe, dass sich Politiker, Gewerkschafter, die Menschen im allgemeinen schwer tun mit einer längeren Lebensarbeitszeit, liegen auf der Hand: Sie ist unpopulär, weil die Vorstellung der Menschen vom Altern veraltet ist.

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