25.04.2013

Kategorie(n): Allgemein

zahnzusatz-versicherung

Vorgestern hat die BARMER GEK den Zahnreport 2013 vorgelegt. Darin heißt es „Wer neuen Zahnersatz braucht, muss tief ins Portemonnaie greifen. Das zeigt eine Aufschlüsselung im heute vorgelegten Barmer GEK Zahnreport 2013. Im Jahr 2009 lagen die Durchschnittskosten für neuen Zahnersatz demnach bei 1.382 Euro je Betroffenem. Davon mussten Patienten 56 Prozent, nämlich durchschnittlich 776 Euro, privat aufwenden.“

Der Boulevard, in dem Fall die Bildzeitung macht daraus gleich eine reißerische Schlagzeile: „Au Backe – Jetzt wird´s beim Zahnarzt richtig teuer.“ Laut Bild wird es sogar doppelt teuer, da zum einen die Kosten für die Implantate und Kronen steigen, zum anderen die Beteiligung der Patienten ebenfalls steigt. Diese fast schon sachliche Darstellung deckt sich mit der Einschätzung von Dr. Rolf-Ulrich Schlenker, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Barmer GEK. Zwar seien die Eigenanteile seither nicht so dramatisch gestiegen wie von vielen befürchtet: „Aber der schleichende Trend zu höheren Privatkosten ist unverkennbar. Nirgendwo sonst im Gesundheitswesen ist die Aufspaltung in eine solidarisch finanzierte Sockelversorgung und privat getragene Premiumbehandlung weiter fortgeschritten.“

Recht haben Bild und Barmer: Im Zahnbereich ist es für alle Beteiligten normal geworden, dass die Patienten privat zuzahlen. Während wir über 10 EUR Praxisgebühr schimpfen und über 3 EUR Medikamentenzuzahlung die Nase rümpfen, ist eine Zuzahlung von einigen hundert oder gar tausenden Euro für neue Zähne durchaus normal geworden.

Was für viele Menschen nur ein vages Bauchgefühl ist – betroffene Patienten wissen es spätestens beim konkreten Kostenvoranschlag – ist längst wissenschaftlich nachgewiesen: Die Wissenschaftler vom Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung (ISEG) in Hannover weisen in der Studie den Trend zu steigenden Privatkosten beim Zahnersatz nach. So stiegen die Eigenleistungen für Zahnersatz zwischen 2005 und 2009 inflationsbereinigt um 18 Prozent. Der Privatanteil an den Gesamtkosten legte um einen Prozentpunkt von 55 auf 56 Prozent zu.

Nun bleibt die Frage, was getan werden kann? Drei Dinge – wobei zwei davon in der Eigenverantwortung eines jeden einzelnen liegen und damit einen wesentlich höheren Wirkungsgrad erreichen:

  1. Es wird eine mehr oder weniger ausgeprägte Diskussion von Professoren, Lobbyisten und Politikern geben. Intensität möglicherweise hoch, Wirkungsgrad wahrscheinlich eher gering.
  2. Zahnprofilaxe: Der Bericht zeigt auch, dass gerade bei kleinen Kindern und jungen Männer die Bereitschaft zur Prophylaxe gering ist. Schade, denn das kostet kein Geld, tut in der Regel nicht weh, hat einen sehr hohen Wirkungsgrad für die Zahngesundheit und senkt damit die Kosten.
  3. Eine Zahnzusatzversicherung abschließen: Auch das können die meisten von uns eigenständig entscheiden, ob Sie das wollen. Vernünftige Tarife starten ab 10 EUR pro Monat.

Mein Fazit: Immer schön Zähnchen putzen, mindestens einmal im Jahr zum Zahnarzt gehen und eine Zahnzusatzversicherung abschließen. Bevor die Frage kommt: ja, ich habe so ein Ding, auch für meine Kinder.

Foto: © paulthomass – Fotolia.com

 

3 Kommentare

Meine Frau hat schon lange eine, meine Tochter hat eine Krankenzusatz – ohne Zähne, die folgt sobald die Zähne alle da sind. Und ich habe jetzt auch eine Z100 bei der ARAG. Damit lässts sich doch ruhiger schlafen. Erst heute habe ich eine 500-600 Euro teure Krone bekommen. Tas tut schon weh – mehr im Geldbeutel als im Mund.

Bei den Medikamenten mus sich übrigens immer 5 Euro pro Rezept zuzahlen. 3 Euro Zuzahlung, gibts das?


Bei den Kosten wird einem ja schwindelig. Man überlegt immer „Soll man eine Zahnzusatzversicherung abschließen oder nicht?“ aber nachdem einem das erste Mal eine größere Zahnarztrechnung ins Haus flattert, kommt die Antwort ganz von alleine.

Fast schon frech ist da der Kommentar der BZÄK, wonach die Patienten ja die Wahl zwischen der Regelversorgung und den teureren Optionen haben. Mag sein, aber es gibt unterschiedliche Meinungen dazu, ob man zB Amalgam ernsthaft als Alternative bezeichnen kann. Ich bin nicht eitel, aber das Zeug kann man keinem antun.


Bei mir war leider letztes Jahr auch ein Zahnersatz Ungarn notwendig. Da ich mir die Kosten im Inland nicht leisten konnte, bin ich in eine Zahnklinik Ungarn gefahren, wo ich mich dann der etwas unangenehmen Zahnbehandlung Ungarn unterzogen habe. Nun besitze ich natürlich eine Zahnzusatzversicherung auch, allerdings würde ich beim nächsten Mal wohl wieder einen Zahnarzt Ungarn aufsuchen, das Preis- Leistungsverhältnis ist einfach top!