24.04.2013

Kategorie(n): Allgemein

pflege-bahr

Ein Thema, das auf der Messe Pools & Finance diskutiert wurde, ist das Thema Pflege-Bahr und welche Chancen und Risiken damit verbunden sind. Befeuert wurde die Diskussion von einer Einschätzung von Finanztest. Im Folgenden ein Beitrag von Sören Hildinger, Vertriebsdirektor der Maklerorganisation Süd der Süddeutsche Krankenversicherung a.G. (SDK). Der Beitrag ist umfangreich und ist selbstverständliche auch illustriert mit Beispielrechnungen auf Basis der SDK-Tarife. Lesen Sie selbst und seien Sie ausdauernd, es wird sich lohnen.

Manchmal fragt man sich schon, wie einfach und banal eigentlich eine Aufgabe gestellt sein muss, damit die Stiftung Warentest nicht an ihr scheitert.

gastauthor-soeren-hildingerAktuelles Beispiel ist der Bericht zum Thema Pflegezusatzversicherung und der Frage, ob sich die staatlich geförderte Pflegezusatzversicherung („Pflege-Bahr“) denn nun lohnt oder nicht. Die Stiftung Warentest kommt hier zu dem (recht pauschalen) Schluss, dass „die staatlich geförderte Vorsorge wenig taugt“ und eine „Mogelpackung“ sei. Für eine Fachzeitschrift, die nach eigenen Bekunden für die Kombitarife (also ungefördert plus gefördert im Paket) „wegen unterschiedlicher Vertragsbedingungen kein Qualitätsurteil bilden konnte“, ist das schon eine ambitionierte Aussage. Unterschiedliche Vertragsbedingungen in der Versicherungsbranche? Welche Zumutung! Dann doch lieber Kochtöpfe und Bügeleisen testen, möchte man meinen.

Pflege-Bahr nur Teilkasko
Kernvorwurf der Stiftung Warentest ist, dass „die Leistungen nicht ausreichen, um die Versorgungslücke im Pflegefall zu schließen“. Vollkommen richtig – aber wo ist die Überraschung? Hat denn irgendwer behauptet, dass der „Pflege-Bahr“ ein Rundum-Sorglos-Paket darstellt? Ganz sicherlich nicht, und man muss nun auch nicht die allerhellste Kerze auf der Torte sein, um zur Erkenntnis zu gelangen, dass man für 15,- € im Monat eben keine Komplett-Absicherung für alle vier Pflegestufen erhält. Nein, es war von Anfang an völlig klar, dass der Pflege-Bahr nur das Fundament bildet, auf dem dann die weitere Pflegevorsorge aufgebaut werden kann und sollte. Hierfür bietet der Pflege-Bahr aber einen durchaus soliden Grundschutz mit guten Leistungen an. Der geförderte Tarif ist so ausgelegt, dass gerade die höchste (und teuerste) Pflegestufe III relativ hoch abgesichert wird. Nimmt man eine Person mit Eintrittsalter 30, dann erhält diese beispielsweise bei der SDK für die Pflegestufe III eine Monatsleistung in Höhe von 1.000,- €. Bei einem 40 jährigen wären es immer noch 740,- €. Und das für einen monatlichen Eigenanteil von 10,- €. Es gibt in unserem Lande sehr viele Menschen, für die diese 10,- € eine Menge Geld sind. Und gerade für diese Menschen ist der Einstieg in die Pflegezusatzversicherung äußerst wichtig. Hier die Einstiegshürden zu senken und die private Pflegevorsorge allen Bevölkerungsschichten zugänglich zu machen – exakt darum geht es bei der staatlich geförderten Pflegezusatzversicherung.

Eigenverantwortung und Generationengerechtigkeit
Es stünde der Stiftung Warentest, die etwa ein Zehntel ihrer Finanzmittel aus öffentlichen (Steuer)-Geldern bestreitet, gut an, wenn sie von ihrem hohen Ross heruntersteigen und einen etwas differenzierteren Blick auf die Gründe für die Einführung der staatlich geförderten Pflegeversicherung werfen würde. Letztlich geht es nämlich nicht nur um darum, dass Herr A und Frau B im Pflegefal gut abgesichert sind. Es geht vielmehr auch darum, dass diese Pflegekosten nicht vom Staat getragen werden müssen. Und der Staat sind eben nicht „die anderen“, sondern der Staat sind wir alle. Wir alle bezahlen Steuern, und wenn Menschen in unserem Lande nicht in der Lage sind, sich selber zu versorgen, dann muss das der Staat (also wir) tun. Mit genau diesen (unseren) Steuergeldern. Das Geld, das der Staat also für die Pflegekosten von Leuten bezahlt, die sich ihr Pflegeheim nicht leisten können, hätte er genauso gut in Schulen, Kindergärten und den Straßenbau investieren können. Hierbei geht es nicht einmal primär um die Steuerzahler der heutigen Generation, sondern vielmehr um diejenigen, die eines Tages nach uns kommen werden. Diejenigen, die dann von ihren Steuergeldern unsere Pflege bezahlen müssen, wenn wir selber nicht vorgesorgt haben. Das Ganze hat etwas mit Generationengerechtigkeit und Nachhaltigkeit zu tun. Begriffe, die eigentlich auch und gerade im Verbraucherschutz einen hohen Stellenwert genießen sollten.


Kinder haften für Ihre Eltern
Nahezu schizophren wird der Artikel der Zeitschrift Finanztest dann, wenn man im Heft eine Seite weiterblättert. Man stößt dort auf einen Artikel, in dem ein Mitbürger („Antonio Bonni aus Bayern“) mit traurigem Blick in die Kamera schaut und berichtet, dass das örtliche Sozialamt von ihm 17.000,- € haben möchte. Warum? Weil seine Mutter die Kosten für ihr Pflegeheim nicht bezahlen konnte und der Staat dieses Geld von Herrn Bonni gerne wiederhaben möchte. Nun muss er – wie die Zeitschrift Finanztest besorgt feststellt – womöglich seine Dreizimmerwohnung verkaufen. Wenn er selber eines Tages pflegebedürftig werden sollte – beklagt die Zeitschrift – fehle ihm dieses Geld dann natürlich. Man kann sich nun gut vorstellen, was dann passieren würde: Hätte Herr Bonni Kinder, dann müssten diese (wie einst ihr Vater für seine Mutter) Teile ihres Vermögens opfern und die Pflege des Vaters bezahlen. Hätte er keine Kinder, müsste eben der Staat bezahlen. Man wäre fast geneigt, dem armen Herrn Bonni umgehend einen Antrag auf Tarif PZ der SDK zuzuschicken: Der 57 jährige müsste für 600,- € monatliche Rente in Pflegestufe III bei der SDK gerade mal 23,34 € bezahlen. 600,- €, die später dann seinen Kindern oder alternativ dem deutschen Steuerzahler erspart bleiben würden. Und hätte es schon in jungen Jahren der Mutter von Herrn Bonni den Pflege-Bahr gegeben, dann müsste sich dieser heute (wenn seine Mutter nicht zufällig damals die Finanztest gelesen hätte und deshalb keine Vorsorge abgeschlossen hätte) auch keine Gedanken um seine Dreizimmerwohnung machen. Allerdings könnte dann die Finanztest auch keine schlauen Artikel darüber schreiben, was passiert, wenn man keine private Vorsorge trifft.

buchtipp-wundgelegenArgumente schmelzen wie Schnee in der Sonne. 
Auch die sonstigen Argumente der Stiftung Warentest schmelzen wie Schnee in der Sonne, wenn man sie näher beleuchtet: Natürlich mag die Zusammensetzung der Kollektive bei den staatlich geförderten Tarifen eine andere (schlechtere) sein als bei den ungeförderten Tarifen. Das liegt einfach darin begründet, dass die geförderten Tarife jeden Kunden unabhängig von Alter und Gesundheitszustand aufnehmen müssen. Hieraus ist (auch von Seiten der Branche) nie ein Geheimnis gemacht worden. Warum auch? Jeder Versicherungsmathematiker ist in der Lage, solche „negativen Selektionen“ in die Tarife mit hineinzurechnen. Das ist kein Hexenwerk, sondern faktisch Tagesgeschäft. Man kann Sicherheitszuschläge verwenden, bestimmte Schadenprofile anders ansetzen und so weiter. Grundsätzlich ist jedes Risiko versicherbar – es ist lediglich eine Frage des Preises. Wenn man die Erstkalkulation sauber erledigt, dann hat man später auch keinen Ärger mit Beitragssteigerungen. Insofern darf sich die Stiftung Warentest gerne darauf verlassen, dass (zumindest in den meisten) Versicherungsunternehmen Profis arbeiten, die in der Lage sind, solche Selektionsrisiken zu erkennen und entsprechend zu bewerten.

Fazit: Persönliche Beratung ist sinnvoller als Stiftung Warentest
Als Fazit ist festzustellen, dass die staatlich geförderte Pflegeversicherung ein attraktiver Einstieg ist. Betrachtet man nur die reinen Grundleistungen, also die reinen Zahlungen aus den jeweiligen Pflegestufen, dann ist (zumindest bei der SDK) die geförderte Versicherung immer günstiger als die ungeförderte Versicherung. Man sollte diese daher dem Kunden immer zumindest als Basis anbieten. Kunden können recht ungnädig reagieren, wenn sie das Gefühl haben, sie hätten einen staatlichen Zuschuss verschenkt. Betrachtet man gewisse Nebenleistungen wie Beitragsbefreiung und Dynamik, dann hat hier der klassische, ungeförderte Tarif sicherlich Vorteile. Dafür ist er eben auch teurer. Letztlich muss der Kunde entscheiden, ob er nur den geförderten Tarif, nur den ungeförderten Tarif oder eine Kombination aus beidem abschließen möchte. Diese Entscheidung kann nur er aufgrund seiner persönlichen Lebenssituation und Wünsche treffen – ganz sicherlich aber nicht die Stiftung Warentest!

Weitereführende Links

Foto: © Peter Atkins – Fotolia.com

 

6 Kommentare

[…] Stefan Hildinger von der Süddeutschen Krankenversicherung hat einen Gastbeitrag im Blog des Maklers Hoesch & Partner geschrieben. Er befasst sich mit der Pflegeversicherung und kommt zum Fazit: Pflege-Bahr ist eine wichtige Basisversorgung und Kunden können „ungnädig“ werden, wenn der Berater ihnen staatliche Förderungen vorenthält. Auch die ergänzende private Pflege-Versicherung entscheiden die Kunden anhand ihrer persönlichen Situation – „ganz sicherlich aber nicht die Stiftung Warentest“. Blog.Hoesch […]


Es bleibt auf jeden Fall spannend bei der Entwicklung der Pflegeversicherungstarife in Deutschland. Gerade den Absatz „Kinder haften für Ihre Eltern“ werde ich mal weiterteilen.

Danke dafür!


Bin gerade erst in die Thematik eingestiegen und finde den Artikel echt super! Sehr Lehrreich. Vielen Dank dafür und weiter so.

Gruß Oliver


Danke für den super Artikel! Sehr gut.


Finde den Artikel echt super…..Dank dafür


Auch ich muss mich für den wirklich tollen Artikel bedanken. Herr Hildinger hat alle wichtigen Dinge gut und einfach aufgezeigt. Gerne mehr davon.

Grüße aus dem Taunus