18.04.2013

Kategorie(n): Allgemein

standardlife-raumDer erste Lacher schon vor dem Tagungsraum. Das Treffen findet im Raum „Gossip“ statt. Was so viel heißt wie Klatsch. Es wurde aber nicht nur „gegossipt“, sondern richtig gut die beinahe unendliche Geschichte der Regulierung des Versicherungsmarktes in Großbritannien dargestellt. „Herzlich willkommen auf dem am meisten regulierten Versicherungsmarkt der Welt.“ So begrüßte uns Jim McFayden, Retail Distribution Development Manager bei Standard Life UK. Neben ihm referierte Gordon Wilson, Managing Director von Carbon Financial Planners Ltd. Da lohnt es sich ein bisschen drüber zu erzählen, denn diese ganze Regulierung erfolgt ja im Namen des Verbraucherschutzes. Und es ist spannend zu sehen, welche Ergebnisse das zeitigt. Die meisten meiner Ausführungen beziehen sich auf den Vortrag von Jim McFayden.

Seit 1. Januar 2013 gilt ein komplettes Provisionsverbot für Produkte, die auf die Anlage von Kundengeldern ausgerichtet sind, also z.B. für Rentenversicherungen oder für Investmentfonds. Für alles was mit biometrischen Risiken – Risikolebensversicherung oder Berufsunfähigkeitsversicherung – zu tun hat oder Sach- und Haftpflichtversicherungen dürfen weiterhin Provisionen gezahlt werden.
Diese Regulierung ist der letzte Schritt in einer zehn bis 15jährigen Regulierungsgeschichte, in der ungefähr alle zwei bis vier Jahre eine neue gesetzliche Regulierung eingeführt wurde. Es würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen, das im Detail dazustellen. Als Beispiel seien genannt, dass es neben erhöhten Qualifikationsanforderungen an die Vermittler auch ein „Trading Customers Fairly“-Ansatz gibt, was wie ein ethischer Kodex in der Beratung zu verstehen ist.

Neben all dem, was verabschiedet wurde, ist natürlich die spannende Frage, welche Veränderungen schon eingetreten bzw. zumindest erkennbar sind. Hier ein Überblick:

  • Komplette Veränderung des Vermittlermarktes: Die Ausschließlichkeitsorganisationen, sogenannte abhängige Vermittler, und Berater der Banken gehen stark zurück. AXA und Santander haben im ersten Quartal 2013 nochmals jeweils mehrere hundert Leute in der Beratung entlassen. Ihre Zahl reduzierte sich von 185.000 auf 11.000.
  • Die unabhängigen Vermittler, sogenannte IFAs, nehmen stark zu. Ihre Zahl wuchs auf 25.000.
  • Das Internet ist als Vertriebskanal stark gewachsen.
  • Es gibt eine starke Konzentration der Anbieter, die fünf größten Gesellschaften haben einen kumulierten Marktanteil von 75%.
  • Die zwei Regulierungsbehörden haben zwischenzeitlich zusammen ca. 4.000 Mitarbeiter, mit einem Jahresbudget von mehr als 600 Millionen Pfund. „Regulation is big business“, erläuterte Jim McFayden. Wer so viele Leute hat, muss und wird immer wieder neue Gesetze auf den Weg bringen. Vielleicht führt das immer öfter zu Verschlimmbesserungen.

Ist das nun alles im Sinne des Verbraucherschutzes gelaufen. Sicherlich ist vieles wie qualifiziertere Berater und ein Kodex für die Beratung sehr wünschenswert, aber es gibt auch viele zweifelhafte Entwicklungen:

  • Eine Konzentration bei den Produktanbietern und damit eine geringere Auswahl für den Kunden.
  • Produkte, deren Marge extrem gesunken ist, werden hauptsächlich über das Internet angeboten und damit ohne Beratung. Das führt zu geringen Beiträgen, aber ist billig immer das Beste?
  • Financial Advicers wie Gordon Wilson sind erfolgreich, betreuen aber nur Kunden mit einem Vermögen ab 150.000 EUR und mehr.
  • Bleibt der Mittelstand – wie angeblich in vielen Bereichen – mal wieder auf der Strecke, weil niemand mehr den Kunden mit 50.000 Pfund Jahreseinkommen und 50.000 Pfund Anlagevermögen betreuen will?

Dieser Prozess ist nicht zu Ende, viele Ergebnisse werden erst in ein paar Jahren aus der Retrospektive zu beurteilen sein. Sicher sind nur zwei Dinge:

  1. Die Wandlungsgeschwindigkeit dieses Marktes hat extrem zugenommen.
  2. Weitere Regulierungen sind schon in Planung: 2014 wird in UK Solvency II eingeführt, eine Verschärfung für die Versicherungsgesellschaften z.B. hinsichtlich der notwendigen Eigenkapitalausstattung. 2015 kommt etwas ähnliches für die Vermittler, auch sie müssen mehr Eigenkapital vorhalten.

Was niemand weiß, ist wie die Entwicklung in Deutschland sein wird. Wir von Hoesch & Partner sind jedenfalls seit 30 Jahren für unsere Kunden da und tun alles dafür, dass wir auch die nächsten 30 Jahre noch ein relevanter Marktteilnehmer sein werden. Daran arbeiten wir jeden Tag hart und gerne zum Wohle unserer Kunden – überzeugen Sie sich selbst.

 

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